Gesundheit als Ressource - Bertelsmann SE & Co. KGaA

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Gütersloh, 25.10.2016

Gesundheit als Ressource

Heribert Sangs, Leitung Zentrale Ausbildung und Gesamtleitung Bertelsmann Gesundheitsmanagement
Lorena Israel Findley, Leitung Bertelsmann Gesundheitsmanagement

Themenbereich: Mitarbeiter
Kategorie: Projekt

Wie funktioniert betriebliches Gesundheitsmanagement? Und welche Erfolgsfaktoren spielen dabei eine Rolle? Ein Besuch bei der Leitung des Bertelsmann Gesundheitsmanagements gibt Einblicke in Voraussetzungen und Gestaltungsmöglichkeiten für gesunde Rahmenbedingungen im Unternehmen.

Ein Ortstermin beim Team des Gesundheitsmanagements von Bertelsmann im Corporate Center Gütersloh: An den Stehtisch geladen hat Leiterin Lorena Israel Findley. "Wir könnten natürlich sitzen – aber die Abwechslung tut dem Bewegungsapparat gut, und daher nutzen wir gerne jede Gelegenheit zu gehen oder zu stehen", erklärt sie. Es gibt viele große und kleine Stellschrauben, wenn es um Gesundheit in einem Unternehmen geht. Eine der größeren Stellschrauben steht heute auf der Tagesordnung: das nächste Treffen der Bertelsmann "Health Community", welches für Herbst in Berlin geplant ist. Die Health Community ist das Steuerungsgremium des Gesundheitsmanagements von Bertelsmann in Deutschland. Es besteht aus Gesundheitsexperten aller Divisionen, Konzernbetriebsratsvorsitzenden, Aufsichtsratsmitgliedern, Personalverantwortlichen und der Schwerbehindertenvertretung. Man trifft sich zweimal jährlich.

Doch warum überhaupt nimmt sich Bertelsmann so gründlich der Gesundheit seiner Mitarbeiter an? "Da Menschen heute einen Großteil ihrer Zeit bei der Arbeit verbringen, übt das Unternehmen, für das sie arbeiten, auch einen wichtigen Einfluss auf die Gesundheit aus", sagt Heribert Sangs, betraut mit der Gesamtleitung des Bertelsmann Gesundheitsmanagements und Lorena Israel Findleys Vorgesetzter. "Schon vor vielen Jahren haben wir als Unternehmen den großen Bedarf erkannt und schließlich 2013 einen eigenen Bereich für den Aufbau eines integrierten Bertelsmann Gesundheitsmanagements gegründet."

Dieser entwickelt und koordiniert nun deutschlandweit Strategien zum Thema Gesundheit. Denn nur mit gesunden Rahmenbedingungen und gesunden Mitarbeitern, so ist Sangs überzeugt, kann Bertelsmann als erfolgreiches und zukunftsfähiges Unternehmen bestehen: "Gesunde Mitarbeiter sind schließlich die Basis des Unternehmenserfolgs, die wichtigste Ressource im Unternehmen." Für gesunde Mitarbeiter zu sorgen unterstütze unmittelbar auch die Erreichung der Unternehmensziele.

Wie aber funktioniert modernes Gesundheitsmanagement? Und was genau bedeutet eigentlich "integriert"? Lorena Israel Findley erläutert es an einem Beispiel: "Studien und unsere Erfahrungen zeigen, dass Maßnahmen nur dann signifikante Veränderungen bringen, wenn sie Teil eines koordinierten Gesamtkonzepts sind. Mit 'Integration von Maßnahmen' meinen wir im betrieblichen Gesundheitsmanagement dabei in erster Linie nicht nur, während der Arbeit oder in der Mittagspause einen Gymnastikkurs zu besuchen. Sondern es geht vor allem darum, die Arbeit selbst gesund zu gestalten." Ziel sei es also, Gesundheit "systematisch, zielorientiert und ganzheitlich" in die Arbeitsprozesse zu integrieren.

Verankerung in die Unternehmenskultur

Um dies mit langfristiger Wirkung in der gesamten Organisation umzusetzen und ein umfassendes Bewusstsein für Gesundheit zu schaffen, gilt laut Heribert Sangs eine besonders wichtige Voraussetzung: "Es ist diese Verankerung in die Unternehmenskultur, die wir erreichen wollen und müssen."

Für eine effektive Umsetzung von Gesundheitsmanagement sei es daher wichtig, zuerst die jeweilige Unternehmensleitung für das Thema zu sensibilisieren. Führungskräfte haben durch ihren Einfluss auf Arbeitsabläufe und das soziale Miteinander eine Schlüsselrolle in Bezug auf eine gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung. Ihrer Position entsprechend sind sie in der Lage, Potenziale und Fähigkeiten, aber auch Über- oder Unterforderungen ihrer Mitarbeiter zu erkennen. Und sie haben die Möglichkeit, Arbeitsprozesse umzugestalten, Belastungen zu reduzieren und Ressourcen zu stärken, um somit zur Förderung des Wohlbefindens der Mitarbeiter beizutragen.

Nun muss für den Aufbau des Gesundheitsmanagements "das Rad nicht neu erfunden werden", sagt Lorena Israel Findley. Es komme darauf an, auf der Basis bereits bestehender Systeme aufzubauen, diese mit anderen Bereichen sinnvoll zu verknüpfen und somit den ganzheitlichen Ansatz von Gesundheitsmanagement weiterzuentwickeln. "Bei uns in Gütersloh wird das Thema Gesundheit seit vielen Jahren in verschiedenen Bereichen bearbeitet: durch den Betriebsärztlichen Dienst, durch das Feld der Arbeitssicherheit, die Bertelsmann BKK, den Betriebssozialdienst sowie unser vielfältiges Sportangebot." Hier wie auch an den Standorten überall in Deutschland seien Vernetzung und Austausch mit Akteuren zum Beispiel aus den Personal-, Weiterbildungs- oder operativen Bereichen und der Arbeitnehmervertretung die entscheidenden Voraussetzungen für ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement. Von den Synergieeffekten könnten alle Beteiligten profitieren.

Online findet die Vernetzung in Deutschland insbesondere auf der neu gelaunchten Gesundheits- Website statt (www.bertelsmannhealth.de  ). In der Offline-Welt kommen die vielen Interessengruppen in der bereits angesprochenen "Health Community" zusammen. "Dieses Gremium ist deshalb so wichtig, weil nicht nur alle Gesundheitsexperten noch einmal auf die Themen schauen, sondern auch verschiedene Unternehmensvertreter ihren Input aus verschiedenen Blickwinkeln geben und die Themen in den Konzern tragen", bekräftigt Heribert Sangs.

Ein wichtiger Schritt zur Integration des Themas Gesundheit war auch die gemeinsame Erarbeitung von vier Mindeststandards, die im März 2015 von Konzernbetriebsräten und Personalvorstand vereinbart wurden und für jede deutsche Konzernfirma gelten. Der erste Mindeststandard regelt, dass Gesundheitskompetenz notwendiger Bestandteil aller nationalen Führungsqualifizierungen wird. Außerdem ist in jeder Bertelsmann- Firma ein fester Arbeitskreis zum Thema Gesundheit zu implementieren. Für alle Mitarbeiter wird der Informationszugang zu unternehmensinternen Gesundheitsangeboten sichergestellt. Und in Zukunft erhält jeder Zugang zur betrieblichen Sozialberatung.

Analyse und Evaluation

Darüber hinaus werden mehrere Pilotprojekte durchgeführt. Diese haben das Ziel, den Auf- und Ausbau eines integrierten Gesundheitsmanagements beispielhaft aufzuzeigen. Dabei gehen die teilnehmenden Firmen in sechs charakteristischen Phasen vor: Initialisierung, Analyse und Identifikation von Handlungsfeldern, Maßnahmenplanung, Umsetzung, Evaluation und langfristige Integration in die Unternehmensstrukturen.

Einer eingehenden Analyse kommt eine besondere Bedeutung zu, da alle weiteren Schritte darauf aufbauen und sie die Ableitung von bedarfsorientierten Zielen ermöglicht. "Daten zu Fehlzeiten und Fluktuation sind hierbei allerdings nur Spätindikatoren", erläutert die Gesundheitsmanagerin. Wichtiger sei es, auch Rahmenfaktoren, die auf den Gesundheitszustand im Unternehmen hinweisen, zu berücksichtigen: Produktivität, Arbeitsqualität und -zufriedenheit, Vertrauen in die Führung, psychosoziales Wohlbefinden oder Einstellungen zum Thema Gesundheit.

Um das Thema Gesundheit als Teil der Unternehmenskultur begreifbar zu machen und nachhaltig in der Gesamtstrategie einer Firma zu verankern, sei es zudem entscheidend, dass ein Vertreter der jeweiligen Geschäftsleitung die Einrichtung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements in Auftrag gebe.

Werden dann in den Unternehmen zielorientierte Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit durchgeführt, so sollten sie sich stets an den analysierten Bedürfnissen und Gegebenheiten vor Ort orientieren. "Bei der Umsetzung der Maßnahmen ist außerdem die Kommunikation mit der Belegschaft besonders wichtig", unterstreicht Lorena Israel Findley. Gerade bei langfristigen Maßnahmen empfehle sich auch ein kontinuierliches Monitoring. Die Ergebnisse der Evaluation könnten dann als Orientierung für andere dienen. Dabei ist die Bandbreite an Maßnahmen groß. Sie reichen von Workshops zur Optimierung von Arbeitsabläufen über die Anschaffung von Ruhesesseln, Sprechstunden mit Führungskräften bis zur Verlegung eines Schallschutzteppichs – wodurch bereits Stress- oder Lärmbelastungen gemindert werden konnten.

Mehr zum Thema Gesundheit sowie zu weiteren Corporate Responsibility-Themen lesen Sie im Magazin "24/7 Responsibility"  .