Dokumentarfilm über Attentat auf PRH-Autor Salman Rushdie
Weltpremiere beim Sundance Film Festival – Film zeigt Aufnahmen von der Tat im Jahr 2022 und der Zeit danach.
Beim Sundance Film Festival, das in diesem Jahr seit dem 22. Januar und noch bis zum 1. Februar in den USA stattfindet, ist ein neuer Dokumentarfilm über den bekannten Schriftsteller Salman Rushdie vorgestellt worden. Der Film setzt sich mit dem Attentat auf den in vielen Ländern von Penguin Random House verlegten Autor im Sommer 2022 auseinander. „Knife: The Attempted Murder of Salman Rushdie“, so der Titel des von dem US-Regisseur Alex Gibney inszenierten Films, basiert auf Rushdies gleichnamigen Bestseller-Memoiren „The Knife“ und schildert sowohl die Tat als auch die körperliche und seelische Verarbeitung des Anschlags.
Aufnahmen von Rushdies Ehefrau
Am 12. August 2022 war der aus Indien stammende, in England aufgewachsene und seit 2000 in New York lebende Rushdie während seines Vortrags ausgerechnet über die Bedeutung des Schutzes von Schriftstellern vor Gewalt im Bildungszentrum Chautauqua Institution im US-Bundesstaat New York von dem maskierten und islamistisch motivierten Attentäter Hadi Matar mit einem Messer attackiert worden. Der damals 24-Jährige wollte sich damit angeblich für Aussagen des Autors in seinem früheren Roman „Die satanischen Verse“ rächen. Rushdie erlitt zum Teil schwere Verletzungen an Händen und Oberkörper, verlor sein rechtes Auge und überlebte nur knapp, weil Zuschauer auf die Bühne stürzten und den Täter überwältigten. Der Dokumentarfilm beginnt mit einer detaillierten Rekonstruktion der 27 Sekunden dauernden Attacke aus Rushdies Perspektive und zeigt in bislang unveröffentlichten Bildern die unmittelbaren Folgen der Tat, die von seiner Ehefrau, der Schriftstellerin Rachel Eliza Griffiths, im Krankenzimmer in den Tagen nach dem Angriff aufgenommen wurden. Rushdie selbst hatte sich, kaum dass er das Bewusstsein wiedererlangt hatte, vorgenommen, das Geschehene zu dokumentieren. Und er war der Überzeugung, dass diese Szenen in ihrer ganzen Brutalität gezeigt werden sollten.
Der Film, in dem Salman Rushdie sowohl als Protagonist als auch als Erzähler auftritt, zeichnet nicht nur den medizinischen Genesungsprozess nach, sondern ordnet den Angriff auch politisch und biografisch ein. Regisseur Alex Gibney blickt auf Rushdies Lebensweg zurück, insbesondere auf die Kontroversen um den Roman „Die satanischen Verse“ von 1988, der wegen angeblicher Blasphemie weltweite Proteste auslöste und zu einer Fatwa des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Chomeini führte. Diese rief zur Tötung Rushdies und aller mit der Veröffentlichung des Buches befassten Menschen auf, zwang den Autor für fast ein Jahrzehnt in den Untergrund – und war letztlich die Ursache für das Attentat. Der Film zeigt zudem historische Aufnahmen von Demonstrationen und Todesdrohungen, die nach Ansicht der Filmemacher den späteren Anschlag ideologisch vorbereiteten.
Angriff auf Kunst und freie Rede
Salman Rushdie selbst versteht den Film als Beitrag zur Auseinandersetzung mit politisch motivierter Gewalt gegen Kultur und Meinungsfreiheit. Autoritäre Systeme betrachteten Kultur als Bedrohung, sagte der heute 78-Jährige bei der Premiere. Gewalt werde gezielt genutzt, um Kunst und freie Rede anzugreifen. Es gehe in dem Dokumentarfilm, in dem er sowohl als Protagonist als auch als Erzähler auftritt, nicht um ihn, es gehe um etwas Größeres, wofür das Geschehene ein Beispiel sei. „Gewalt ist dieses Etwas. Gewalt, die von Skrupellosen entfesselt wird, die Unwissende benutzen, um die Kultur anzugreifen“, betonte er. „Für Autoritäre ist Kultur der Feind“, fügte er hinzu. „Die Unkultivierten, Unwissenden und Tyrannischen mögen sie nicht. Und sie ergreifen Maßnahmen gegen sie, was wir jeden Tag sehen.“ Auch Regisseur Gibney zog Parallelen zur Gegenwart und warnte vor der Eskalation politischer Gewalt durch verantwortungslose politische Rhetorik.
Trotz der bedrückenden Thematik zeigt der Film auch Momente von Nähe, Humor und Widerstandskraft. Rushdies persönliche Beziehung zu seiner Frau wird dabei als Zeichen von Menschlichkeit und Resilienz hervorgehoben. In den letzten Szenen kehrt der Film zu Videoaufnahmen des Angriffs zurück, diesmal aus der Perspektive der Überwachungskameras. Zu sehen ist auch, wie Zuschauer den Täter entwaffnen und Rushdies Leben retteten. An diesem Tag habe er fast gleichzeitig die schlimmste Seite der menschlichen Natur erlebt – „Gewalt, angeführt von Ignoranz, ausgelöst durch Verantwortungslosigkeit“ – und auf der anderen Seite die beste Seite der menschlichen Natur. „Denn die ersten Menschen, die mein Leben retteten, waren die Zuschauer“, berichtete Salman Rushdie dem Publikum.
Der Film wurde am 25. Januar beim Sundance Film Festival mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations aufgenommen. Ein regulärer Kinostart ist angekündigt, ein konkreter Termin steht jedoch noch nicht fest.