Südostasien, 24.01.2008

Einweihung des SOS-Kinderdorfes in Pondicherry

Themenbereich: Gesellschaft
Land: Indien
Kategorie: Projekt

Nach dem 26. Dezember 2004 war für die Kinder im indischen Pondicherry nichts mehr wie zuvor. Viele von ihnen hatten ihre Eltern verloren, ihre Heimat war zerstört. Dank internationaler Hilfe konnte viel wieder aufgebaut werden. Doch ihre Familie kann den Kindern niemand zurückgeben. So gut wie irgend möglich die Familie zu ersetzen, das ist der Ansatz der SOS-Kinderdörfer, die an vielen Orten in Indien, und eben auch in Pondicherry, nach dem Tsunami neue Kinderdörfer errichteten. Nicht zuletzt konnte die Hilfsorganisation das dank der Spenden der Bertelsmann AG und ihrer Mitarbeiter verwirklichen. 1,4 Millionen Euro hatten Unternehmen und Mitarbeiter gespendet, um Tsunami-Waisen mit einem Patenschafts-Programm der SOS-Kinderdörfer zu unterstützen.

Etwas mehr als drei Jahre nach der Katastrophe gab es in Pondicherry viel Grund zur Freude. In den vergangenen Jahren hatten sie zuerst in Notunterkünften und dann in einem provisorischen SOS-Kinderdorf gelebt – nun war es so weit. Ihr SOS-Kinderdorf wurde Anfang Januar eingeweiht, für die Hilfsorganisation und noch mehr für die Kinder selbst, war das der Anlass für eine große Feier. Neben lokalen Politikern und Repräsentanten der SOS-Kinderdörfer war auch Ankush Bhandari, Country Manager von Arvato Indien, als Ehrengast bei der Einweihungsfeier.

Nur eine einzige Bitte hatte Helmut Kutin, Präsident der SOS-Kinderdörfer, an Ankush Bhandari, der als Leiter des größten Bertelsmann-Unternehmens in Indien eingeladen war: Dass er die Nachricht ins Unternehmen trage, dass das Geld in Indien sinnvoll eingesetzt wird. Eine Botschaft, die sich für Ankush Bhandari vor Ort eindrucksvoll bestätigt hat. „Ich hatte wirklich den Eindruck, dass die SOS-Kinderdörfer sehr gute Arbeit geleistet haben und weiterhin leisten", berichtete er: „Sie sind mit die größte Hilfsorganisation in Indien. Die Mitarbeiter, mit denen ich gesprochen habe, waren alle sehr professionell und gut ausgebildet. Ich fand es wirklich erstaunlich, mit welcher Hingabe und mit welchem Einsatz sie hier tätig sind."

Einen ganzen Tag hat Ankush Bhandari im Kinderdorf verbracht. Als Vertreter der Bertelsmann-Mitarbeiter, die mit ihrem Geld die Kinder unterstützen, weihte er symbolisch eines der Häuser ein und pflanzte dort einen Baum. Außerdem ließ er sich genau erklären, wie das Prinzip der SOS-Kinderdörfer funktioniert. „Acht bis zehn Kinder ziehen mit ihren ‚Adoptivmüttern’ in ein Haus", so Bhandari „um dort in einem Familienbund zusammen zu leben." Diese SOS-Kinderdörfer-Mütter sind junge Frauen, die eine Ausbildung bei der Organisation absolviert haben. Viele von ihnen haben selbst ihre Familien bei dem Tsunami verloren. Für sie bedeutet die Arbeit eine neue Chance. Mütter und Kinder sind so auf dem besten Weg, die Katastrophe hinter sich zu lassen. „Alleine in die Gesichter der Kinder zu schauen, war es wert, dorthin zu fahren", erzählt Ankush Bhandari: „Sie strahlten und lächelten, trotz der Tragödie, die hinter ihnen liegt. Man sah den Kindern an, dass sie gut versorgt werden, ja, dass sie geliebt werden."

Die Einweihung des Dorfes ist für die Kinder einer von vielen Schritten auf dem Weg in ein normales Leben. Ein Leben, in dem sie wieder zur Schule gehen, Bücher lesen und zum Fußballspielen gehen können. Gemeinsam mit den „Müttern" bieten die SOS-Kinderdörfer den Kindern viele Aktivitäten wie Tanzkurse, einen Leseclub oder Computerkurse an. Ganz normale Dinge – eigentlich, doch für die Kinder in Pondicherry war lange nichts mehr normal. Dank der SOS-Kinderdörfer und nicht zuletzt dank der Spenden von Bertelsmann hat sich das zum Glück geändert.

Die Bertelsmann AG hatte im Dezember 2004 der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer schnell entschlossen eine Million Euro gespendet, um langfristig in der Tsunami-Region zu helfen. Mitarbeiter aus der ganzen Welt spendeten dann in einer anschließenden Aktion insgesamt 200.000 Euro, einen Betrag, den das Unternehmen noch einmal verdoppelte. Mit den so zusammengekommenen 1,4 Millionen Euro werden Patenschaften für Kinder, die bei der Katastrophe ihre Eltern verloren hatten, finanziert. 250 Kinder in insgesamt sechs Dörfern in Indonesien, Indien und Thailand können so über mindestens zehn Jahre lang mit Verpflegung, Kleidung, medizinischer Betreuung und Ausbildung unterstützt werden.

Auch in den anderen Dörfern in Indien, Indonesien und Thailand laufen die Arbeiten an den neuen Dörfern auf Hochtouren, damit möglichst bald auch hier Einweihungsfeste wie in Pondicherry gefeiert werden können. Ankush Bhandari kehrte begeistert aus dem Dorf wieder zurück. Er hat dort viele Geschichten und Einzelschicksale erzählt bekommen. „Ich wusste, um ehrlich zu sein, nicht genau, was mich dort erwartete. Doch ich bin froh, dass ich dort war. Es war ein sehr schönes und emotionales Event, eine wundervolle Erfahrung."