Gruner + Jahr | Hamburg, 30.10.2015

"Ein Stück Kindheit zurückgeben"

Mit diesem "Schal fürs Leben" möchte BRIGITTE unter Leitung der Chefredakteurin Brigitte Huber möglichst viele Spenden für syrische Flüchtlingskinder sammeln. Meike Dinklage (im linken Bild) hatte während ihres Besuchs in einem Flüchtlingscamp in Jordanien sehr emotionale Begegnungen mit Kindern

Themenbereich: Gesellschaft
Land: Deutschland
Kategorie: Spenden

Mit der Aktion "Ein Schal fürs Leben" sammeln die G+J-Frauenzeitschrift "Brigitte" und die Hilfsorganisation Save the Children auch in diesem Jahr wieder Spenden zugunsten syrischer Flüchtlingskinder. Das G+J-Intranet "Greenport" sprach mit "Brigitte"-Chefredakteurin Brigitte Huber und Chefreporterin Meike Dinklage über die Ziele des Spendenaufrufs, die Situation in einem Flüchtlingscamp in Jordanien und die Verwendung der eingesammelten Gelder.

Zum zweiten Mal startet "Brigitte" gemeinsam mit Save the Children die Aktion "Ein Schal fürs Leben". Was steckt dahinter?

Brigitte Huber: Bei der Aktion geht es darum, einen Schal zu stricken oder zu kaufen und damit direkt an Hilfsprojekte für Kinder zu spenden. Pro Schal fließen direkt zehn Euro in die Hilfsprojekte von Save the Children für syrische Flüchtlingskinder. Wir dürfen die syrischen Kinder nicht allein lassen. Sie brauchen eine sichere Umgebung, um ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten zu können. Spendengelder sind hierbei dringend vonnöten, um die schwächsten Opfer des Krieges ganz konkret dort zu unterstützen, wo Hilfe benötigt wird.

Die Flüchtlings-Problematik ist brisanter als je zuvor. Wie gehen Sie als "Brigitte"-Redaktion mit dem Thema um?

Brigitte Huber: Das Thema Flüchtlinge bewegt die Kolleginnen in der "Brigitte"-Redaktion genauso, wie es gerade ganz Deutschland bewegt. Das Leid der syrischen Kinder geht uns sehr nahe. Wir möchten ihnen deshalb ein kleines Stück Kindheit zurückgeben, denn sie sind diejenigen, die am meisten unter dem Konflikt leiden. Daher haben wir uns entschieden, mit der Aktion "Ein Schal fürs Leben" erneut ein Zeichen für Mitgefühl und Hoffnung zu setzen.

Frau Dinklage, Sie waren für ihre Reportage vor wenigen Wochen zu Besuch im zweitgrößten Flüchtlingscamp der Welt in Jordanien. Wie haben Sie die Situation vor Ort erlebt?

Meike Dinklage: Es war vollkommen anders als im Libanon, wo wir im letzten Jahr für unsere Schal-Aktion waren. Die Flüchtlinge dort dürfen nicht in geschlossenen Camps siedeln, weil die libanesische Regierung befürchtet, dass daraus dauerhafte Siedlungen entstehen könnten. Deshalb leben die Menschen unter einfachsten Bedingungen in provisorischen Unterkünften. Das ist in Jordanien anders. Im Zaatari-Camp leben momentan 85.000 Menschen, ihre Versorgung ist einigermaßen gut durch die NGOs organisiert. Dennoch bedeutet das Leben im Lager nichts anderes, als dass man in einer Warteposition verharrt und zum Nichtstun gezwungen ist. Und man hört überall, dass die Versorgungssituation sich verschlechtert, vor allem für die Flüchtlinge außerhalb der Lager – die die große Mehrheit stellen.

Welchen Einfluss hat die Aktion "Ein Schal fürs Leben" auf syrische Flüchtlinge?

Meike Dinklage: Etwa 80 Prozent der Flüchtlinge im Zaatari-Camp wollen in der Nähe ihrer Heimat bleiben. Sie wollen ihr Zuhause nicht aufgegeben – und deshalb brauchen sie Unterstützung vor Ort. Genau das fördert Save the Children mit einem Fokus auf die Kinder. Sie sollen die Möglichkeit haben, in eine Vorschule zu gehen, lesen und schreiben zu lernen, oder einfach nur zu bolzen und sich auszutoben, wie andere Kinder auch. Die Kinder haben in diesem trostlosen Camp, in dem nichts passiert, jeden Tag eine Anlaufstelle – das sogenannte Child-Family-Center. Die Trauma-Therapeuten dort beobachten die Kinder genau. Wenn sie den Eindruck haben, dass ein Kind gezielt Hilfe braucht, führen sie mit den Eltern Gespräche und vermitteln Kontakte zu Psychologen. Das geschieht häufig, denn fast alle Kinder sind traumatisiert, wenn sie im Camp ankommen. Das Problem ist, dass viele Eltern es auch sind. Diese Stabilität, die Familie eigentlich garantieren soll, ist nicht mehr gegeben. Kinder erleben Flucht und Verlust von Sicherheit und Heimat noch mal eindringlicher als Erwachsene, die das eher mit ihrem Verstand kompensieren können.

Was erhoffen Sie sich vom 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte?

Meike Dinklage: Ich erhoffe mir, dass ganz viele Menschen diesen Schal tragen. Die Aktion hat in diesem Jahr nochmal eine andere Tragweite als im vergangenen Jahr: Die Situation vor Ort war damals noch nicht so sehr in unser Bewusstsein gerückt wie jetzt. Es geht um Menschenrechte, aber implizit ist diese Aktion auch ein Statement gegen Krieg. Vor dem Hintergrund, was momentan in Syrien passiert, und der diplomatischen Ratlosigkeit ist es jetzt erst recht an der Zeit, unseren "Schal fürs Leben" zu tragen.

Strickende Unterstützer können das Wollpaket inklusive Strickanleitung und Stricknadeln in einem der 500 Wollgeschäfte kaufen, die Lana Grossa führen. Jedes Paket kostet 45 Euro, davon werden 10 Euro gespendet. Wer keinen Schal stricken möchte, kann auch den fertig gestrickten Schal für 79 Euro, inkl. 10 Euro Spende, online bei Wollywood.de kaufen. Jeweils 10 Euro Spende kommen den syrischen Mädchen und Jungen zugute. Wer ohne den Schal für die Aktion spenden möchte, kann dies direkt bei Save the Children tun. Mit dem gespendeten Geld finanziert Save the Children Nahrung, Trinkwasser oder Medizin, bietet psychologische Unterstützung und baut sichere Spiel- und Lernorte auf, in denen die Kinder wieder Halt und Freude in ihrem Leben erfahren.