News | PenguinRandomHouse | London / New York, 23.10.2017

Man Booker Prize 2017 geht an George Saunders

George Saunders © Kirsty Wigglesworth / picture alliance / AP Photo

George Saunders wurde für seinen Roman „Lincoln In The Bardo“ mit dem Man Booker Prize 2017 ausgezeichnet. In den USA ist das Buch bei dem zu Penguin Random House gehörendem Imprint Random House als Hardcover, E-Book sowie als Hörbuch erschienen. Im Frühjahr 2018 bringt Luchterhand aus der Verlagsgruppe Random House den Roman auf Deutsch heraus. Der Man Booker Prize wird seit 1969 an englischsprachige Autoren verliehen und gilt als wichtigster britischer Literaturpreis.

Die Chancen darauf, dass der britische Man Booker Prize in diesem Jahr unter dem Dach von Penguin Random House landet, standen zugegebenermaßen nicht schlecht. Immerhin veröffentlichten vier der insgesamt sechs nominierten Autoren ihre Bücher bei der zu Bertelsmann gehörenden Verlagsgruppe – und das verteilt über den Globus in Großbritannien, Kanada und den USA. Die Freude darüber, dass nun George Saunders, dessen Buch „Lincoln In The Bardo“ beim amerikanischen Imprint Random House erschienen ist, mit dem renommierten Literaturpreis ausgezeichnet wurde, war natürlich dennoch riesig.

In einer Mitteilung gratuliert Penguin Random House US George Saunders sowie seinem Verleger Andy Ward, dem Team von Random House und Random House Audio sowie allen anderen nominierten Autoren, deren Werke in verschiedenen Imprints der Verlagsgruppe in Kanada und Großbritannien erschienen sind. „Als Herausgeber blicken wir voller Demut auf die vielen verliehenen Anerkennungen in diesem Jahr 2017 – vom Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro, unseren vier Gewinnern des Pulitzer Preises bis nun hin zu George Saunders als Preisträger der höchsten literarischen Auszeichnung des Jahres.“

„Form und Stil des äußerst originellen Romans enthüllen eine geistreiche, intelligente und zutiefst bewegende Erzählung“, würdigte Jurypräsidentin Lola Young Saunders‘ Werk bei der Preisverleihung am Dienstagabend in London. „Vielen Dank für diese große Ehre. Ich hoffe, ich werde ihr für den Rest meines Lebens mit meinem Schaffen gerecht werden“, sagte Saunders, der als zweiter US-Amerikaner überhaupt mit dem britischen Man Booker Prize geehrt wurde. 

Zwischen Leben und Tod

„Lincoln In The Bardo“ ist der erste Roman von George Saunders, der sich zuvor vor allem mit Kurzgeschichten wie dem „New York Times“-Bestseller „Tenth of December“ einen Namen gemacht hatte. „Lincoln In The Bardo“ spielt zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs, behandelt aber dennoch eher ein privates als ein politisches Thema: den Tod von Abraham Lincolns elfjährigem Sohn Willie. Ausgehend von diesem realen Ereignis spinnt Saunders eine Geschichte über Familie, Liebe und Verlust, die ihren historischen Rahmen im Laufe der Erzählung hinter sich lässt und in eine übernatürliche Sphäre übergeht. Denn Willie Lincoln findet sich selbst in merkwürdigen Zustand zwischen Leben und Tod wieder, der im tibetischen Buddhismus als „Bardo“ bezeichnet wird.

„Ein brillantes Kunststück über Großzügigkeit und Humanismus, ein Schmelztiegel der heldenhafter Identität Amerikas, die ängstlich aber unermüdlich und selbst in der Tragödie noch voller Hoffnung ist und zögerlich in eine bessere Welt taumelt“, schreibt Colson Whitehead in „The New York Times Book Review“ über das Buch. „Harper’s Magazine“ bezeichnet George Saunders als den „menschlichsten amerikanischen Autor unserer heutigen Zeit“, und „Vogue“ meint: „Auf seinem Weg, der Twain des 21. Jahrhunderts zu werden, fertigt Saunders einen amerikanischen Flickenteppich aus Liebe und Verlust, der unseren grundlegenden Sorgen eine Form gibt.“

Vom Türsteher zum Autor 

George Saunders wurde in dem US-amerikanischen Bundestaat Texas geboren und kam erst auf Umwegen zur Literatur. Er studierte Geophysik, arbeitete auf den Ölfeldern in Sumatra und schlug sich nach seiner Rückkehr als Türsteher, Dachdecker und Schlachthausgehilfe durch, bevor er Literatur studierte. Inzwischen hat er mehrere Bände mit Kurzgeschichten, einen Essayband und ein Kinderbuch veröffentlicht, lehrt Creative Writing an der Syracuse University und wurde unter anderem 2006 mit dem MacArthur „Genius Grant“ und dem Guggenheim Fellowship, 2009 mit dem Academy Award der American Academy of Arts and Letters, 2013 mit dem PEN/Malamud Award und 2014 mit dem Folio Prize ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Oneonta im US-Bundesstaat New York.

Weitere Nominierungen

Neben George Saunders standen außerdem die Penguin-Random-House-Autoren Ali Smith („Autumn“) und Mohsin Hamid („Exit West“) aus Großbritannien sowie Paul Auster („4 3 2 1“) aus Kanada auf der Shortlist des Man Booker Prize 2017. Zu den Autoren der Bertelsmann-Verlagsgruppe, die den Man Booker Prize in den vergangenen Jahren am Ende mit nach Hause nehmen konnten, zählen Richard Flanagan (2014), Julian Barnes (2011) und Anne Enright (2007).