Johannes Mohn: Kontinuität und protestantische Verantwortung

Der „vierte Pastor von Gütersloh“ – so nannten die Gütersloher augenzwinkernd den Leiter des C. Bertelsmann Verlages von 1887 bis 1921, der Zeit seines Lebens im Lutherrock, einem schwarzen Gehrock der protestantischen Pfarrer, anzutreffen war. Zunächst wollte Johannes Mohn, der am 16. Juni 1856 in Niederwambach im heutigen Rheinland-Pfalz geboren wurde, Pastor werden, was jedoch daran scheiterte, dass er aufgrund eines Asthmaleidens keine kraftvolle Stimme hatte. Stattdessen begann er 1874 eine Buchhändlerlehre bei Bertelsmann, heiratete 1881 Friederike (1859-1946), die einzige Tochter Heinrich Bertelsmanns, und wurde 1887 dessen Teilhaber und Nachfolger.

 
 

 
Johannes Mohn, Firmeninhaber 
in der dritten Generation

 

Johannes Mohn engagierte sich besonders in Kirche und Gesellschaft. Oberste Maxime des Verlegers war die moralische und soziale Vertretbarkeit des eigenen Handelns. Lange Jahre diente er der evangelischen Kirchengemeinde als Presbyter und Kirchmeister. Kirchliche Renovierungsarbeiten und Neubauten wie den Kindergarten in der Moltkestraße unterstützte er mit großzügigen Spenden. In der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Kindergartens wird eine Schwester zitiert, die das Wirken Johannes Mohns beschreibt:
„Unser lieber, guter Vorstand hat in rührender, schlichter Weise mit großer Treue für den Kindergarten gesorgt, für Kinder, Schwestern und Gehilfin. […] Mit offenen Händen und freundlichem Gesicht hat Herr Mohn immer gegeben. Die Kinder hingen mit großer Liebe an unserem Vorstand. Wie groß war unsere Freude, wenn er uns in der Schule besuchte! Und wenn die Kleinen Herrn Mohn auf der Straße gesehen hatten, so war es das erste, was sie mir mit strahlenden Augen erzählten. Wenn eins krank war, so sollte Herr Mohn und nicht der Herr Doktor kommen.“ Für seine Verdienste um die Kirchengemeinde wurde er 1911 mit dem Roten Adlerorden 4. Klasse ausgezeichnet.

Wie sein Schwiegervater amtierte Johannes Mohn als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Barthschen Stiftung und als Kurator des Evangelisch-Stiftischen Gymnasiums in Gütersloh. Er war zudem Mitglied in den Vorständen zahlreicher christlicher, sozialer und missionarischer Einrichtungen. Durch die Einführung neuer Schriftenreihen verschaffte er Bertelsmann eine führende Rolle in der Missionsliteratur, der er neben der Theologie große Bedeutung beimaß. Auch praktisch engagierte sich Johannes Mohn für die Mission, indem er ein Unternehmen in Deutsch-Ostafrika leitete und sich um die im Johanneum wohnenden Missionarssöhne kümmerte.

Den Mitarbeitern, zu denen er engen Kontakt pflegte, galt Johannes Mohns besondere Fürsorge; zum Beispiel besuchte er sie, wenn sie krank waren. Von seiner Belegschaft erwartete er Leistung und Treue, die er großzügig honorierte. Als typisch für Johannes Mohns Verhältnis zu seinen Beschäftigten gilt das 75-jährige Jubiläum des Unternehmens, das er 1910 mit seinen 80 Mitarbeitern auf einem Ausflug feierte. Zu diesem Anlass stiftete er 10.000 Goldmark für die Wohlfahrtskasse und schenkte jedem Beschäftigten neben einem Päckchen Zigarren einen Taler für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit. Als weiteres Zeichen seiner Dankbarkeit gewährte er seinen Arbeitern und Angestellten ab dem 2. Juli 1910 drei Tage bezahlten Urlaub pro Jahr – dies in einer Zeit, in der nur etwa 10 Prozent aller Arbeiter in Deutschland überhaupt bezahlten Urlaub erhielten!

Das Wirken Johannes Mohns steht in der Kontinuität seiner Vorgänger im Verlag, deren Führungsstil und Engagement für die Gesellschaft Johannes Mohn als Vermächtnis und Richtschnur für das eigene Handeln empfand. Erschüttert von der Abdankung des Kaisers und von der deutschen Niederlage, übergab der „vierte Pastor von Gütersloh“ im Jahre 1921 den Verlag an seinen Sohn Heinrich. Johannes Mohn starb am 2. November 1930 in Gütersloh.

 

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