Heinrich Bertelsmann: Mit Technik und Bildung gegen Armut
Gütersloh im Jahr 1885: Mit einem viertägigen Fest inklusive Ausflug zum Hermannsdenkmal feiert der C. Bertelsmann Verlag sein 50-jähriges Bestehen. Verlagsinhaber Heinrich Bertelsmann erneuert seine Bindung zu jedem einzelnen Mitarbeiter per Handschlag – und mit einem geschenkten Taler pro Dienstjahr.
Verlagsinhaber (1827-1887)
Die Maßstäbe mögen heute andere sein – doch das Prinzip, sich für das Wohl und die Motivation der Mitarbeiter einzusetzen, hat Bertelsmann früh entwickelt. Schon der Verlagsgründer war für sein soziales und gesellschaftliches Engagement bekannt gewesen. Ihm folgte Heinrich Bertelsmann, und er lebte diese Gedanken konsequent fort. Im Geiste der Erweckungsbewegung aufgewachsen und ausgebildet, hatte er den Verlag Ende 1850 übernommen. Unter seiner Führung vervielfachte das Unternehmen bis 1887 die Zahl der Publikationen. Die Mitarbeiterzahl wuchs von 14 auf etwa 60-70. Der Verlag zog 1868 vom alten Kirchplatz in die heutige Eickhoffstraße in Gütersloh um und rüstete sich mit moderner Drucktechnik aus – eine der ersten Dampfmaschinen in Gütersloh wurde in der Druckerei des C. Bertelsmann Verlags aufgestellt.
Soziales Engagement im Zeichen von Industrialisierung und wirtschaftlichem Wachstum
In Sachen Industrialisierung war Gütersloh damit ein Nachzügler. Doch die Stadt profitierte ab den 1880er Jahren von einem wirtschaftlichen Aufschwung, der auch den C. Bertelsmann Verlag erfasste. Er versetzte Heinrich Bertelsmann in die Lage, sich noch stärker als bisher für soziale Projekte zu engagieren. Neben zahlreichen Ehrenämtern lagen ihm zwei Großprojekte am Herzen:
Da war zunächst die Barthsche Stiftung, deren Verwaltungsrat Heinrich Bertelsmann angehörte. Neben der Errichtung und Unterhaltung eines Armen- und Krankenhauses errichtete die Stiftung verschiedene Fonds, unter anderem zur Unterstützung von bedürftigen Witwen der evangelischen Geistlichen in Gütersloh sowie zur Verbesserung der Situation einer Strick- und Nähschule für verarmte Kinder.
Das zweite Großprojekt, mit dem sich Heinrich Bertelsmann stark identifizierte, war eine so genannte Kleinkinderschule in Gütersloh. Diese war für bedürftige Kinder gedacht, deren Eltern berufstätig waren, und die mithin tagsüber betreut und unterrichtet werden sollten. Heinrich Bertelsmann engagierte sich hier persönlich und finanziell. Er saß dem Vorstand der Kleinkinderschule ab 1884 vor, zugleich spendete er mehrere Tausend Reichsmark für deren Erhalt. Nach seinem Tod 1887 wurde die Schule seiner Witwe Charlotte Bertelsmann übertragen, die ihren Fortbestand sicherte. Hierzu setzte sie einen Betrag von 15.000 Reichsmark aus, der im Rahmen der Barthschen Stiftung für den Erhalt der Kleinkinderschule verwaltet wurde.
Auch um seine Mitarbeiter sorgte sich Heinrich Bertelsmann. Er besuchte erkrankte Mitarbeiter zuhause und unterstützte sie nach Kräften, wenn sie in Not gerieten. Nachhaltiger und sichtbarer Ausdruck des Fürsorgeverständnisses war die Einrichtung einer Invaliden- und Altersversorgungskasse im Jahr 1887.
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