Start des zweiten Intajour-Jahrgangs

Sie kommen aus den verschiedensten Ländern und Kulturen, haben sich vorher noch nie gesehen und haben doch ein gemeinsames Ziel: sie alle wollen in ihren Heimatländern die Pressefreiheit stärken. Dafür engagieren sich die zwölf Fellows, die am Samstag in Hamburg angekommen sind. Von heute an werden sie für zehn Monate gemeinsam das Fellowship-Programm „Journalism in the Digital World“ der „International Academy of Journalism“ (Intajour) absolvieren. Bertelsmann hatte die Akademie als Beitrag zur Förderung von Presse- und Meinungsfreiheit anlässlich des 175. Unternehmensjubiläums im Jahr 2010 gegründet.
Sieben Frauen und fünf Männer bilden den zweiten Jahrgang der Intajour. Sie wurden vom Journalistischen Beirat der Intajour, dem unter anderm Thomas Osterkorn (Chefredakteur „Stern“) , Georg Mascolo (Chefredakteur „Der Spiegel“) und Peter Kloeppel (Chefredakteur RTL) angehören, aus 560 Bewerbungen aus 90 Ländern ausgewählt. Damit ist die Zahl der Bewerbungen für den zweiten Jahrgang noch einmal angestiegen – für den ersten Jahrgang waren 413 Bewerbungen aus 80 verschiedenen Ländern eingegangen. „Wir haben uns sehr über die vielen Bewerbungen und die große Begeisterung für unseren Ansatz gefreut“, sagt Werner Eggert, Direktor der Intajour. „Den Fellows steht jetzt eine spannende, aber auch anstrengende erste Präsenzphase bevor, aus der sie mit viel neuem Wissen nach Hause reisen werden, um diese neuen Fertigkeiten an ihren Arbeitsplatz zu vertiefen. Aber auch dabei werden wir die Fellows mit unserem e-Learning-Angebot unterstützen“.
Und das sind die Fellows des zweiten Jahrgangs der Intajour:
María Gisel Acosta ist 30 Jahre alt und kommt aus Ecuador. Dort arbeitet sie als Redakteurin für die Zeitung „El Universo“, wo sie vor allem politische Artikel schreibt. Zusätzlich hat sie einen Teilzeit-Job als Moderatorin einer Morgenshow beim Radio. María Gisel ist der Meinung, dass die Medien keine andere Wahl haben, als digitale Mittel zu nutzen, um ihrerseits effektiv dazu beizutragen, dass Recht der Menschen auf Information zu erfüllen. Anfang dieses Jahres machte „El Universo“ weltweit Schlagzeilen: das Oberste Gericht Ecuadors verurteilte drei Geschäftsführer und einen Kolumnisten der Zeitung zu einer dreijährigen Haftstrafe und einer Geldstrafe in Höhe von 28 Millionen Euro. Der Kolumnist hatte den ecuadorianischen Präsidenten einen Diktator genannt und ihn beschuldigt, im Zuge eines Aufstands der Polizei im Jahr 2010 Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben.
Die 24-Jährige Rabia Akram Khan aus Pakistan arbeitet als freie Journalistin in den nordwestlichen Stammesgebieten Pakistans, wo sie für verschiedene Radiostationen berichtet. Am liebsten bearbeitet sie Themen, die sich Frauenthemen befassen, wie zum Beispiel die Frage, mit welchen Problemen Frauen in ihrem täglichen Leben konfrontiert werden und wie sie diese lösen. Rabia spürt, dass auch ihre Arbeit im ländlichen Pakistan täglich mehr digitalisiert wird, und möchte daher gerne mehr über das Thema lernen. Für die Zukunft hat sie sich vorgenommen, einen eigenen Blog ins Leben zu rufen und sich mit der Produktion von Web-Videos zu beschäftigen.
In ihrem Heimatland Ägypten hat sich Hoda Baraka in ihrer Arbeit als Journalistin vorwiegend auf Umwelt-Themen spezialisiert. Die 30-Jährige arbeitet als Freelancerin, vorwiegend für die Online-Ausgabe des „Egypt Independent“. Nachdem sie viele Jahre an akademischen Institutionen verbrachte, hat Hoda realisiert, dass sie mit der Arbeit als Journalistin Einfluss auf Umweltfragen nehmen kann, indem sie sie für eine breite Öffentlichkeit zugänglich und verständlich macht.
Mario Roberto Cerna Palacios aus Honduras arbeitet für die Tageszeitung „El Heraldo“. Seit dem Regierungs-Putsch im Jahr 2009 sei die Redefreiheit in seinem Heimatland stark eingeschränkt, so Mario Roberto. Seit dem Putsch ist Honduras weltweit eines der gefährlichsten Länder für Journalisten. Seit 2009 wurden nach Angaben des International Press Institut (IPI) 21 Journalisten aufgrund ihres journalistischen Tätigkeit umgebracht. Mario Roberto schreibt vorwiegend über ökonomische und politische Themen und ist Mitglied der investigativen Einheit seiner Zeitung. Der 33-Jährige ist der Meinung, dass die Arbeit der Medien in Honduras häufig durch die Selbstzensur behindert wird.
Sumaya Elmatbagi leitet das Politik-Ressort der in ihrem Land sehr angesehenen Zeitung „Al Ayam“, die häufig als „angstlose Stimme“ der sudanesischen Medienlandschaft bezeichnet wird. Der Gründer und Herausgeber, Mahgoub Salih, wurde bereits mehrfach verhaftet. Das hinderte ihn und sein Team jedoch nicht daran, stets eine unabhängige Berichterstattung zu betreiben. Dieses Bemühen wurde von der internationalen Gemeinschaft mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem „World Association of Newspapers´Golden Pen“ im Jahr 2005. Sumaya glaubt fest daran, dass der Journalismus für die Aufrechterhaltung der verbliebenen intakten Strukturen im Sudan eine wichtige Rolle spielt.
Die 28-Jährige Tatiana Etco gehört zum Team der einzigen Zeitung Moldawiens, die keine Verbindungen zu einer der politischen Parteien des Landes hat. Da „Ziarul de Garda“ nur beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, muss Tatiana bei ihrer Arbeit, die sowohl Schreiben, Editieren, Fotografieren als auch Recherchieren umfasst, stets flexibel sein. Gelegentlich produziert Tatiana Nachrichtenvideos für die wöchentliche Fernsehsendung der „Ziarul de Garda“. Im Jahr 2009 wurde sie von der moldawischen Gesellschaft für unabhängige Presse mit dem „Best Journalist of the Year Award“ ausgezeichnet.
Auch Jovana Gligorijevic aus Serbien beschäftigt sich in ihren Artikeln für das wöchentliche Magazin „Vreme“ insbesondere mit politischen und kulturellen Themen. Das Magazin ist in Belgrad vor allem für sein analytisches und investigatives Vorgehen bekannt. Das meiste Wissen hat die 29-Jährige Jovana von ihren Kollegen erhalten, in Sachen Online-Medien hat sie sich jedoch nahezu alles alleine beigebracht, da bei „Vreme“ bis vor kurzem noch niemand Erfahrung in dem Bereich hatte. Jovanas Ziel ist es, ihr Wissen zu den Themen Recherche und Veröffentlichung im Web systematisch zu bündeln. Damit, so hofft sie, wird sie es schaffen, „Vreme“ neue Impulse zu geben, um mehr Leser zu gewinnen.
Anders als seine meisten Intajour-Kollegen arbeitet Zaka Guluyev aus Aserbaidschan als Fernsehjournalist. Bei ANS TV, das zur „ANS Independent Broadcasting and Media Company“ in Baku gehört, ist der 28-Jährige zuständig für ein wöchentliches politisches Magazin und befasst sich als Reporter mit politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Themen für die tägliche Nachrichtensendung. Am liebsten arbeitet Zaka an investigativen Geschichten. Zusätzlich zu seinem Job bei ANS TV ist er Mitbegründer des ersten Digitalsenders des Landes, Kanal 13. Um die Qualität des Journalismus zu verbessern und die unabhängigen Medien zu stärken, braucht es in seinem Land mehr gut ausgebildete Journalisten, davon ist Zaka überzeugt.
Der 30-Jährige Joseph Mwenda aus Sambia arbeitet als Journalist für die sich im Privatbesitz befindende Zeitung „The Post“. Seit ihrer Gründung in den frühen 1990er Jahren gilt „The Post“ als Vorbild für unabhängige und hochwertige Berichterstattung im Afrika südlich der Sahara. Joseph arbeitet für die neue Online-Ausgabe der Zeitung und ist unter anderem zuständig für nationale und internationale Nachrichten, dem Einbinden von Videomaterial in die Website und der Freischaltung von Leserkommentaren. Sein Ziel ist es, die Qualität der Website weiter zu verbessern und neue Leser zu gewinnen.Aufgrund der restriktiven Gesetze in seinem Heimatland musste der Radiosender „Radio Dialogue“, für den Zenzele Ndeble aus Zimbabwe arbeitet, abgeschaltet werden. Gemeinsam mit seinen Kollegen nutzt der 34-Jährige jetzt das Internet für die Verbreitung ihrer Geschichten. Zenzeles Job ist es, Meldungen zu redigieren und die Homepage zu pflegen. Vom Intajour-Programm erhofft sich Zenzele insbesondere, viel über digitale Medien zu lernen und dies in seiner Arbeit anwenden zu können.
Muhammad Sharif Ullah aus Bangladesh beschreibt sich selbst als computererfahrener-Journalist, der Medien-Grenzen überwinden möchte. Nachdem er für eine Zeitung und einen Fernsehsender gearbeitet hat, wurde er Nachrichtenredakteur bei www.bdnews24.com, dem führenden Online-Magazin des Landes. Ein hohes Maß an Professionalität, Integrität und ethische Werte sind für den 34-Jährigen ein absolutes Muss bei seiner Arbeit. Um bdnwes24 weitervoranbringen zu können, ist es Muhammads Meinung nach unumgänglich, mehr über multimediale Techniken zu lernen.
Die 26-Jährige Ping Wu aus China hat zwei Jobs: einen als Bloggerin und einen als Redakteurin für „Appazine“, ein iPad-Magazin, das zum Schweizer-Verlagshaus Ringier gehört. Die in Shanghai lebende Ping ist der festen Überzeugung, dass die Digitalisierung der Medien die Demokratie und Pressefreiheit in China voranbringen können. Aus diesem Grund sieht sie es als ihre Pflicht, mehr über Journalismus in der digitalen Welt zu lernen
Diese zwölf Fellows werden für die nächsten zehn Monate gemeinsam das Intajour-Programm absolvieren. Sie werden in den Bereichen „Investigative Recherche“, „Journalistische Darstellungsformen im Web“, „Dreh und Schnitt von Webvideos“, „Technische Produktion von Webauftritten“ und „Medienethik“ fortgebildet. Der Lehrgang besteht wieder aus Präsenzphasen in Hamburg, Köln und Berlin sowie zwei intensiven E-Learning-Phasen.

