Bertelsmann fördert Gründung einer Droste-Stiftung mit 500.000 Euro

Das Haus Bertelsmann unterstützt den Erhalt und den freien Zugang der Öffentlichkeit zu einem bedeutenden westfälischen Kulturerbe: dem Geburtshaus der Annette von Droste-Hülshoff. Sie gilt als eine der wichtigsten deutschen Dichterinnen. Zu ihren bekanntesten und bis heute auch international viel gelesenen Klassikern, die unter anderem im Random-House-Verlag Manesse erscheinen, zählt „Die Judenbuche“. Um eine moderne Präsentation eben solcher Werke sowie des Lebens und Schaffens der Dichterin geht es der neuen Stiftung – und zwar in den Räumlichkeiten der Burg Hülshoff in Havixbeck bei Münster.

Das typisch westfälische Wasserschloss soll dank der Stiftung, zu deren Kapital Bertelsmann 500.000 Euro beisteuert, dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Nach Angaben des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) wird für die Gründung der Stiftung insgesamt ein Kapital von 19,3 Millionen Euro benötigt. Neben dem LWL beteiligen sich unter anderem der Bund, das Land NRW sowie die Kreise Warendorf und Coesfeld. Aber auch Unternehmer aus der Region haben ihre Unterstützung zugesagt, unter ihnen Bertelsmann. Die gesamte Burganlage, die Ländereien sowie zahlreiche Exponate bildender und literarischer Kunst aus Familienbesitz werden in die Stiftung eingebracht.

Als Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) ihre Werke schrieb, verlegte Bertelsmann knapp 100 Kilometer entfernt von ihrem Wohnsitz die ersten Bücher. Doch neben den historischen Parallelen und der bewussten Förderung der Kulturregion Westfalen, in der auch Bertelsmann mit dem Buch groß geworden ist, sprechen für Bertelsmann noch weitere Gründe für die Förderung der Stiftungsgründung. So soll die Wasserburg Hülshoff zu einem literarischen Zentrum ersten Ranges ausgebaut werden, in dem Vergangenheit und Moderne eine attraktive Verbindung eingehen. Das gilt zunächst für den Erhalt des Schlosses, das auf eine mehr als 500-jährige Tradition zurückblicken kann. Es gilt aber auch für die literarischen Meisterwerke, die unter anderem in eben dieser Burg und diesem Umfeld entstanden sind.

Die Literatur und das Medium Buch sollen in der Burg auf eine innovative Weise inszeniert werden. So will die Stiftung die Besucher, die aus allen Teilen des Landes und weit darüber hinaus erwartet werden, nicht nur zur Auseinandersetzung mit einer großen Dichterin anregen, sondern auch mit dem Lesen an sich. Gerade ein junges Publikum soll angesprochen werden und erkennen, dass zeitlose klassische Literatur und digitales Lesen beileibe kein Widerspruch sind. Genau dieses zukunftsorientierte, nach vorn gerichtete Konzept will Bertelsmann mit seiner Spende unterstützen.

Die Wasserburg Hülshoff ist sowohl aus baudenkmalpflegerischer Sicht als auch als Geburtsort der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff von hohem Interesse. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg bereits im 11. Jahrhundert. 1417 kam sie in den Besitz der Herren von Deckenbrock, die sich später „von Droste“ nannten. Das Herrenhaus ließ Heinrich I. von Droste Hülshoff um 1540/1545 erbauen. Das in Form einer geschlossenen Renaissanceanlage gebaute Haus ist bis heute erhalten. Die Anlage mit dem öffentlich zugänglichen Park, der Burg sowie einem Drostemuseum ist in Familienbesitz.

Im Januar 1797 wurde die Annette von Droste-Hülshoff auf der Wasserburg geboren und verbrachte dort sowie in dem unweit gelegenen Haus Rüschhaus große Teile ihres Lebens.

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