Karl-Friedrich Lambardt im Einsatz in Sri Lanka
26 Jahre Bürgerkrieg haben den südostasiatischen Inselstaat Sri Lanka in seiner Entwicklung immer wieder zurückgeworfen. In vielen Regionen des Landes ist die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ein großes Problem; oftmals fehlen geeignete sanitäre Anlagen und Möglichkeiten zur Abwassereinigung. Das wiederum führt zusammen mit einer kaum vorhandenen Abfallentsorgung schnell zur Ausbreitung von Krankheiten – von denen, wie so oft, vor allem kleine Kinder betroffen sind. Diesen Kreislauf zu durchbrechen und mit einer funktionierenden Wasserversorgung die Grundlagen für eine entscheidende Verbesserung der Lebensverhältnisse in Sri Lanka zu sorgen, ist das Ziel der zahlreichen Projekte einer internationalen Hilfsorganisation. Karl-Friedrich Lambardt, Leiter Controlling Druckereien bei Gruner + Jahr, begleitete neun Tage lang entsprechende Projekte in verschiedenen Teilen des Landes. Er ist die dritte Bertelsmann-Führungskraft, die beim Management Meeting 2010 für eine solch ungewöhnliche Aufgabe ausgewählt wurde und nun an seinem Zielort zum Einsatz kam. Vor ihm waren Ian McClelland in Indonesien und Derk Möller in Paraguay unterwegs.
„Plan Sri Lanka betreut seit 1980 Kinder und Projekte in acht Distrikten, die in drei Programmeinheiten zusammengefasst sind“, zählt Karl-Friedrich Lambardt auf: „die nordwestliche Programmeinheit in Anuradhapura, die Programmeinheit mit Sitz in Kandy und die südwestliche Programmeinheit in Monaragala im ärmsten Bereich des Landes.“ Projektschwerpunkte seien der Aufbau von Trinkwasserversorgungsnetzen in Dörfern in den ländlich geprägten Gebieten und von Sanitäreinrichtungen in Vorschulen und Schulen, aber auch in privaten Wohnhäusern, fährt Lambardt fort. Zudem widmeten sich die Projekte ganz generell der Verbesserung der Gesundheit, der Hygiene und der Ernährung von Kindern, der Verminderung von häuslicher Gewalt gegen Kinder sowie der Verbesserung von Lernbedingungen und Lernmöglichkeiten von Kindern.
Nach seiner Ankunft in der Hauptstadt Colombo besuchte der G+J-Manager zunächst die Programmeinheit Nordwest in Anuradhapura und traf mit den zuständigen Mitarbeitern vor Ort sowie den in die Projekte eingebundenen Behördenvertretern zusammen. Konkret ging es um drei Trinkwasserversorgungs- und Sanitärprojekte in den Städten Randuwa, Tuppityawa und Nelumvila. „Hier sollten jeweils mehr als 200 Familien mit Trinkwasser versorgt und zudem in jedem Dorf bis zu 90 Familien zusätzlich mit Sanitäreinrichtungen ausgestattet werden“, berichtet Karl-Friedrich Lambardt. Das Geld dafür stammte zu einem Teil von der Regierung des Staates, daneben beteiligten sich Plan Sri Lanka und andere gemeinnützige Organisationen – sowie die betroffenen Dorfgemeinschaften selbst. „Im Sinne einer nachhaltigen Hilfe legt die Organisation großen Wert darauf, dass die Menschen in die Maßnahmen eingebunden werden und von Anfang an entsprechende Verantwortung übernehmen“, betont Lambardt.
So werde als erstes eine „Community Based Organisation“ (CBO) gegründet, die sich um den Bau der verschiedenen Anlagen kümmere, beschreibt er das Prozedere. Der Brunnen und der Wasservorratsbehälter in 15 Metern Höhe würden von externen Firmen gebohrt beziehungsweise errichtet, die CBO ist dann für das Verlegen der insgesamt rund 20 Kilometer langen Rohrleitungen im Dorf zuständig – dies aber unter Anleitung – sowie für den Bau der Sanitäranlagen. „Die Dorfmitglieder lernen gleichzeitig, wie sie die Sanitäranlagen sauber halten, wie sie das Versorgungsnetz und die Pumpe warten und wie sie Abfälle entsorgen“, erklärt der G+J-Mitarbeiter.
Damit die Hilfe langfristig Erfolg zeigt, betreut Plan Sri Lanka die Community Based Organisations nach Fertigstellung des Projektes noch zwei weitere Jahre. „Und es funktioniert wirklich“, bekräftigt Karl-Friedrich Lambardt, „davon konnte ich mir beim Besuch einer Dorfgemeinschaft ein Bild machen. Hier war der ehemalige Chairman der CBO nun verantwortlich für die Wartung der Pumpe und seine frühere Assistentin für die Buchführung der CBO sowie für die Bezahlung des Wassergeldes der Dorfmitglieder für die verbrauchten Kubikmeter.“ Denn um zukünftige Bauvorhaben und Reparaturen zu finanzieren, zahlen die Bewohner regelmäßig einen geringen Beitrag in einen gemeindebasierten Fonds ein. Mit Geld aus einem solchen Fonds baute die CBO des Dorfes, das Lambardt besuchte, sogar gerade einen zweiten Brunnen.
Der Bertelsmann-Manager besuchte auch die Region Kandy, in der Plan Sri Lanka unter anderem in Schulen sanitäre Anlagen einrichten und die Versorgung mit Trinkwasser verbessern will. Der Projektname trägt den sinnhaften Namen „WASH“ – „Water and Sanitation Hygiene“. „Hier geht es beispielsweise darum, das Oberflächenwasser beziehungsweise Regenwasser vom Gebäudedach der Schule über ein Filtersystem in jeweils einen Wasservorratstank unterschiedlicher Größe – entsprechend der Anzahl an Schülern – aufzufangen“, berichtet Karl-Friedrich Lambardt. Je Schüler seien etwa fünf Liter pro Tag für Sanitär- und Hygienemaßnahmen notwendig. Darüber, ob und wie diese Projekte noch optimiert werden können, sprach die G+J-Führungskraft mit den Projektverantwortlichen vor Ort. Er diskutierte mit ihnen über die Konzepte und wurde ausdrücklich gebeten, Anmerkungen und Anregungen zu geben. „Mir war zum Beispiel wichtig, dass beim WASH-Projekt in den Schulen auch der Umweltgedanke eine Rolle spielen sollte, da sich auf dem Schulgelände ein Müllberg aus Plastik, Papier und Bioabfall befand“, sagt Lambardt. „Das erschwert aber natürlich die Durchsetzung der Gesundheits- und Hygienemaßnahmen.“
In der Programmeinheit Südost hatte Karl-Friedrich Lambardt schließlich die Gelegenheit, an einem Brainstorming für ein neues Projekt an einer Schule teilzunehmen: „Schüler, Lehrer und Eltern saßen an einem hinduistischen Feiertag zusammen und überlegten, wie ihre Schule zukünftig aussehen soll“, erzählt Lambardt. „Der Plan-Mitarbeiter wirkte hier als Moderator und Anstoßgeber. Die Ideen erarbeitete jede der drei Gruppen zuerst für sich, sie wurden anschließend miteinander verglichen und dann nach Prioritäten gestaffelt.“ Schließlich wurden verantwortliche Teams für die einzelnen Themen gebildet, die die Aufgabe hatten, konkrete Maßnahmen für diese Themen auszuarbeiten. „Wie dieses vielleicht bürokratisch anmutende Prinzip in der Realität aussieht, durfte ich an einer Vorschule und einer Schule für das erste bis achte Schuljahr erleben“, so der G+J-Manager. So entstand in der Vorschule ein neues Gebäude mit mehreren Räumen, in denen 50 Kinder mit Hilfe von zwei Lehrern spielen, malen und modellieren konnten. Zudem erwerben die Kinder dort Grundkenntnisse in den Sprachen Singhalesisch und Tamil sowie erste Worte Englisch und auch ein wenig Mathematik. „An der Grund- und Mittelschule konnten die Schüler neben einer kleinen Bibliothek einen Computerraum mit sechs Rechnern nutzen, auf denen sie monatlich eine eigene Zeitung schreiben, layouten und für alle Schüler ausdrucken – oder ein Radioprogramm für einen lokalen Sender gestalten“, zeigt sich Karl-Friedrich Lambardt beeindruckt. Die Schüler kümmern sich dort auch um einen Kräutergarten und Gemüsebeete, und sie pflanzen Bäume, die in ihrer Region eher selten vorkommen.
„An den drei Schulen, die ich besucht habe, konnte ich die Begeisterung und die Bereitschaft von Lehrern, Schülern und Eltern hautnah erleben, die die Chance nutzen, die ihnen durch die Hilfsorganisation gegeben wird“, fasst Lambardt seine Eindrücke zusammen. Von der langfristigen Wirkung dieser Art der Unterstützung ist er überzeugt: „Die Übernahme der Verantwortung und eigene Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen des Projekts führen dazu, dass alle Beteiligten sich mit diesem Projekt identifizieren und es nach seinem Ende auch weiterführen.“
„Ich war sehr beeindruckt von der Freundlichkeit, der Aufgeschlossenheit, der Gastfreundschaft, der Bereitschaft und dem Willen der Menschen, ihre Situation zu verbessern und dabei aktiv mitzuhelfen“, so der G+J-Mitarbeiter abschließend. „Für mich bleibt es ein unvergessliches Erlebnis mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen aus einem wunderschönen Land mit vielen Gegensätzen, das nach dem Ende des Bürgerkrieges beginnt, sich wieder zu entwickeln.“

