Team der G+J-Verlagsgruppe München hilft Initiative Horizont e.V.

Hans-Hermann Sprado ruft forsch: „Gebt mir meine Wand!“ 250 Quadratmeter im Gebäude der Initiative Horizont e.V. warten auf frische Farbe. Der „P.M.“-Chefredakteur und Herausgeber der P.M.-Gruppe bei Gruner + Jahr fährt geräuschvoll mit der Rolle auf und ab. Die Fläche erstrahlt wieder in leuchtendem Weiß

Im Sechser-Team ist die G+J-Verlagsgruppe München am vergangenen Freitag zum Commitment-Einsatz ausgerückt. Er gilt der Initiative Horizont e.V. für obdachlose Kinder und deren Mütter, gegründet von der Schauspielerin Jutta Speidel. „Viele sind Migranten“, erzählt Leiter Claus Klein. „Sie waren großer Gewalt ausgesetzt und sind schwer traumatisiert. Mit heilpädagogischen und kunsttherapeutischen Maßnahmen werden 20 Frauen und 40 Kinder aufgefangen und nach 18 Monaten in dauerhafte Wohnverhältnisse vermittelt. Bei der Betreuung folgen wir Hannah Arendts Aufforderung zum ‚Denken ohne Geländer‘. Die Bewohner müssen schnell selbstständig werden. Das Personal steht nur am Rande ihres selbstgewählten Weges und bewahrt vor Abstürzen.“ Das Vertrauen in die eigenen Kräfte zahlt sich aus mit einer Erfolgsquote von 95 Prozent.

Nach zweieinhalb Stunden ist das große Schularbeits- und Spielzimmer halb fertig. Ute Schmidmayer, Verwaltungsangestellte und Betriebsratschefin, sowie Simone Arndt, Leiterin Projektmanagement „P.M.“, bearbeiten die Ecken mit der kleinen Rolle, während „P.M.“-Redakeur Wolfgang Goede sich an der großen versucht. Bernd Stolzmann, „P.M.-History“-Grafiker, Betriebsratsmitglied und erprobter Handwerker, spielt Libero, packt überall an, gibt hilfreiche Ratschläge. „Dass ich einmal unter Ihrer Aufsicht arbeiten würde, wer hätte das gedacht?“, scherzt Verlagsgeschäftsführer Volker Breid von der Leiter herunter. Mit ruhiger Hand zieht er am Übergang von Wand und Decke schnurgerade einen Farbstric

Höchste Zeit für eine Kaffeepause. Das G+J-Commitment-Team nimmt in der Küche Platz, zusammen mit Frauen und Kindern der Einrichtung. Das Geschenk, „Eltern“-Malbücher, wird verteilt, das Eis schmilzt, man kommt miteinander ins Gespräch. Dieser Kontakt sei für ihn wichtig, erklärt Klein später: „So erfahren unsere Klienten, dass dies kein Ferienhotel ist, sondern dass die Einrichtung das Zupacken freiwillig Engagierter verlangt, und dazu viel Geld.“

Überall in dem sechsstöckigen Gebäude kleben Kacheln. Sie weisen auf Spenden für Fenster, Türen, Kücheneinrichtungen hin. Für den Unterhalt der Einrichtung müssen monatlich 50.000 Euro gesammelt werden. Die G+J-Mitarbeiter erbringen an diesem Wochenende eine persönliche Zeitspende von je zehn Stunden. Der Commitment-Topf versorgt sie mit 700 Euro für Materialkosten.

Samstagmittag der Endspurt: das Treppenhaus. Das Team ist mittlerweile prima aufeinander eingespielt. Eine Vorhut verlegt am Boden einen Filz, klebt Schalter und Sockel ab, der Mal-Trupp bringt die Farbe auf, die Nachhut räumt auf, macht sauber – beinah schon „schwarmintelligent“, bemerkt Ute Schmidmayer.

Damit ist das Ziel der Commitment-Aktion erfüllt: Randgruppen der Gesellschaft integrieren helfen, damit das gesellschaftliche Engagement von Gruner + Jahr zu unterstützen, Hierarchien vertikal zu vernetzen und Teamfähigkeit zu schulen – „für uns alle ein dreifacher Gewinn“, bedankt sich Leiter Claus Klein abschließend.

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