Derk Möller hilft armen Familien in Paraguay
Die Eindrücke sind prägend: „Es ist aus europäischer Sicht kaum vorstellbar, in welcher Armut hier in Paraguay ein Großteil der Menschen auf dem Land lebt.“ Derk Möller, bei Arvato verantwortlich für den Bereich Customer Relation Management, Loyalty & Reward Solutions, hat in diesen Tagen vor Augen geführt bekommen, welche Folgen es in abgelegenen ländlichen Gegenden haben kann, wenn es tagelang regnet – was häufig vorkommt. „Die Straßen sind nicht befestigt, darum bricht bei Unpassierbarkeit der wenigen Straßen der Kontakt zur Außenwelt ab, die Menschen bekommen nichts mehr zu essen und leiden an Hunger.“ Unter anderem um hier möglichst dauerhaft für Abhilfe zu sorgen, engagiert sich eine internationale Hilfsorganisation seit 1995 in Paraguay. Und Derk Möller hilft seit dem vorvergangenen Wochenende dieser Organisation: Er flog von München in die paraguayanische Hauptstadt Asunción und fuhr von dort weiter in mehrere Regionen des südamerikanischen Landes, das in etwa so groß ist wie Deutschland und die Schweiz zusammen. Als zweite von drei beim Management Meeting 2010 ausgewählten Bertelsmann-Führungskräften unterstützt er das Hilfsprojekt des Bertelsmann-Partners.
Wie vor ihm Ian McClelland in Indonesien lernt nun Derk Möller die Lebensumstände in einem Land kennen, in dem viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben – in Paraguay sind es nach Angaben der Hilfsorganisation rund 50 Prozent. Neun Prozent der Bevölkerung müssen mit weniger als umgerechnet einem US-Dollar am Tag auskommen, um sich das zum Leben Notwendige zu kaufen. Darunter leiden insbesondere die Kinder: Mangelernährung führt dazu, dass zehn Prozent der Mädchen und Jungen nicht altersgemäß entwickelt sind. Fehlendes Jod und Eisen bewirkt zudem schwerwiegende und langfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen – in der Schule haben die Kinder darum oft Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und zu lernen.
Aus diesen Gründen hat sich die Hilfsorganisation vorgenommen, durch den ökologischen Anbau von Gemüse in Privat- und Schulgärten eine gesunde Ernährung von Kindern sicherzustellen. „Das Hauptprojekt, für das ich hier bin, nennt sich ‚Sicherung der Ernährung‘“, erklärt Derk Möller. „Dazu gehört, dass in vielen Kommunen Familien sowie Kinder und Lehrer in den Schulen ausgebildet werden, wie man sich einen eigenen Obst- und Gemüsegarten anlegt, wie man Hühner und Ziegen hält und aus all dem ein gesundes Essen zubereitet“, erläutert der Arvato-Manager. „Meine Aufgabe ist es unter anderem, direkt vor Ort bei den Schulungen und bei dem Zubereiten der Speisen zu helfen“, sagt Möller, der bis zum Ende seines Aufenthaltes rund 30 Familien und Schulen an unterschiedlichen Orten besucht haben wird. „So planen wir in einem Dorf gerade den ersten Besuch eines Marktes, auf dem die Familien einen Teil ihrer Ernte verkaufen wollen.“ Da sie das noch nie gemacht hätten, sei dies natürlich eine große Herausforderung. „Zum anderen bin ich während meines Einführungstages in der Zentrale in Asunción gebeten worden, einen Abschlussbericht zu schreiben, wie das Projekt in der Praxis umgesetzt wird und welche Optimierungspotenziale sich bieten.“
Mit der Unterstützung der Hilfsorganisation könne den Menschen direkt vor Ort auf vielfältige Weise geholfen werden, zeigt sich Möller begeistert. „Sie bekommen eine Beschäftigung, da jeden Tag im Garten gearbeitet werden muss. Außerdem erwerben sie neue Kenntnisse, die ihnen im weiteren Leben dauerhaft nützlich sein werden.“ Vor allem aber würden die Menschen unabhängiger von Lieferungen aus weiter entfernten Städten – die eben wegen der schlechten Infrastruktur oftmals nicht zu ihnen durchdringen würden oder schlicht zu teuer seien. „Künftig finden sie große Teile ihrer Nahrung direkt vor ihrer Haustür“, ist Derk Möller überzeugt.
Insgesamt würde sich damit auch nicht nur das Problem der Unter-, sondern auch der Mangelernährung erledigen. „Schließlich bekommen die Kinder mit dem Gemüse und Obst wichtige Vitamine und Ballaststoffe zugeführt – damit sind sie dann besser in der Lage, im Schulunterricht mitzukommen, was ihnen wiederum später bessere Entwicklungschancen eröffnet“, beschreibt der Arvato-Manager die lange Wirkungskette von Abhängigkeiten, die die Hilfsorganisation beeinflussen will.
„Das Wichtigste aber ist: die Organisation initiiert und unterstützt die Projekte, die harte tägliche Arbeit in den Gärten muss aber von den Familien (und hier insbesondere den Müttern) selbst geleistet werden“, betont Derk Möller. Und das hat, wie er bei seinen Besuchen in Dörfern und Schulen in den vergangenen Tagen gemerkt hat, noch andere Folgen für die Menschen: „Wenn sie gemeinsam aussäen und ernten, wenn sie zusammen kochen und essen, wie es in jüngerer Zeit immer öfter geschehen kann, stärkt dies das Gemeinschaftsgefühl enorm“, gibt Möller seine Eindrücke wieder. „Diese Gemeinschaft ist dann auch besser in der Lage, andere Herausforderungen anzugehen, deren Bewältigung nochmals hilft, die Situation aller zu verbessern.“
„Mich persönlich hat sehr bewegt, dass sich jede Kommune, die ich zusammen mit den Betreuern besucht habe, einen besonderen Willkommensgruß für uns ausgedacht hat“, sagt der Arvato-Manager gerührt. „Als wir zum Beispiel in der Schule von Arroyito in der Nähe von Caaguazu im Südosten Paraguays ankamen, haben sich alle Schüler und Lehrer mit eigens einstudierten Liedern für die Unterstützung bedankt. Dieses Bild und diese Klänge werden mir mein Leben lang in Erinnerung bleiben.“ Derk Möller hat sich vorgenommen, allen Menschen in seinem Umkreis zu vermitteln, wie nötig Hilfe für Länder wie etwa Paraguay ist. „Schon eine einzige Patenschaft für ein Kind hilft einer ganzen Reihe von Familien, sich weiterzuentwickeln“, bekräftigt er.

