Zwölf Fellows aus zwölf Ländern erwecken Intajour zum Leben

Sie kommen aus Ägypten, Nepal, Ghana, Syrien, Moldawien, Thailand, China, Liberia, Nicaragua, Zimbabwe, Armenien und der Ukraine. Sie haben in ihren Heimatländern unabhängige Nachrichten-Websites ins Netz gebracht. Sie haben Social Media eingesetzt, um radikale Umwälzungen in Ihren Ländern zu begleiten. Sie haben Journalisten über einen Kontinent hinweg vernetzt. Sie haben unbequeme Themen aufgegriffen und Pressefreiheit eingefordert. Jetzt sitzen sie an einem Tisch, um gemeinsam zu lernen, sich auszutauschen und an ihren journalistischen Fähigkeiten zu feilen. Zwölf journalistische Talente – ganz bewusst sechs Frauen und sechs Männer – aus zwölf Ländern der Erde haben am Montag ihr Fellowship in der International Academy of Journalism (Intajour) angetreten und damit zugleich den Startschuss gegeben für die eigentliche Arbeit der Academy.

„Mit dem heutigen Tag wird ein Projekt Wirklichkeit, dessen Gründung wir vor einem Jahr im Zuge der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 175. Geburtstag von Bertelsmann eingeläutet haben“, erinnerte Hartmut Ostrowski an Idee und Anfänge der von ihm ins Leben gerufenen Institution. Als Gründer war er am Montagabend persönlich nach Hamburg gereist, um die ersten Fellows am Sitz der Intajour zu begrüßen und mit ihnen, die die Intajour nunmehr zum Leben erweckten und ihr ein Gesicht gäben, ins Gespräch zu kommen. In Hamburg angekommen waren die Fellows im Laufe des Samstags, bei den Einreiseformalitäten hatte die Intajour große Unterstützung durch das Auswärtige Amt und die entsprechenden Botschaften erfahren. Gleich am Sonntag ging es in den Räumen der Intajour am Hamburger Stubbenhuk an die Arbeit – mit einer Vorstellung der Intajour und des Programms, dem gegenseitigen Kennenlernen, Ratschlägen für den Aufenthalt in Deutschland und schließlich einem Begrüßungsabendessen mit Thorsten Strauß, Leiter der Bertelsmann Unternehmenskommunikation, sowie dem Intajour-Team.

Vor den Fellows, ihren Trainern und dem Direktor der Intajour, Werner Eggert, betonte der Vorstandsvorsitzende dann am Montagabend noch einmal Sinn und Zweck der Academy: „Bertelsmann will damit einen Beitrag leisten zur Zukunft des Qualitätsjournalismus im digitalen Zeitalter.“ Denn das Unternehmen und er selbst seien fest davon überzeugt, „dass eine lebendige und wirksame Pressefreiheit getragen werden muss von gut ausgebildeten, global vernetzten Journalisten mit einem hohen Anspruch an journalistische Qualität und Verantwortung“ – von Frauen und Männern wie den zwölf Fellows.

Hartmut Ostrowski würdigte das bisherige journalistische Engagement der Fellows, das nicht nur ihn überzeugt habe, sondern vor allem den Journalistischen Beirat der Intajour, der gemeinsam mit dem Direktor für die Auswahl verantwortlich war. Dieser Beirat setzt sich vorrangig zusammen aus der ersten Garde deutscher Chefredakteure und Journalistenausbilder. Ihm gehören neben Peter Kloeppel (RTL), Georg Mascolo (Spiegel) und Thomas Osterkorn (Stern) die Leiter der RTL Journalistenschule und der Henri Nannen Schule, Leonhard Ottinger und Andreas Wolfers, sowie für die Bertelsmann AG deren Leiter der Unternehmenskommunikation, Thorsten Strauß, an. Schon in diesem, dem ersten Jahr der Academy, hatten die Beiräte die Qual der Wahl zwischen mehr als 400 journalistischen Talenten, die sich online mit einem umfangreichen Dossier um ein Fellowship beworben hatten.

Die Wahl des Beirats fiel am Ende auf Rehab Abd Almohsen (29 Jahre) aus Ägypten, Krishna Prasad Acharay (33) aus Nepal, Daniel Akwasi Aforo (27) aus Ghana, Alia Turki Al-Rabeo (27) aus Syrien, Ludmila Boghenanu (28) aus Moldawien, Mutita Chuachang (29) aus Thailand, Yongbin Fang (32) aus China, Fatoumata Nabie Fofana (27) aus Liberia, Carlos Roberto Fonseca (29) aus Nicaragua, Columbus Mavhunga (33) aus Zimbabwe, Gayane Mirzoyan (30) aus Armenien und schließlich Oleg Shynkarenko (35) aus der Ukraine.

Ihnen allen wünschte Hartmut Ostrowski, bevor er das individuelle Gespräch mit den Fellows suchte, „dass das Fellowship der Intajour für sie zu einem großen beruflichen und persönlichen Gewinn wird.“ Die Weichen dafür hat das Intajour-Team um Werner Eggert gestellt. In den kommenden drei Wochen, der ersten von insgesamt drei Präsenzphasen im einjährigen Programm, erwartet die Fellows in Hamburg ein mehr als tagfüllender Stundenplan. Gleich am Montag stand der Aufbau eines überzeugenden Weblogs auf dem Lehrplan, am Dienstag ging es mit der intelligenten Nutzung von Suchmaschinen für Recherche und Schreiben weiter. In den kommenden Tagen steht der Einsatz digitaler Wege für den Journalismus ebenfalls im Vordergrund, beispielsweise in einem Grundsatzkurs zur Funktionsweise des Internet, in den Stunden zur vertieften Online-Recherche oder einem Kurs zur Bildbearbeitung und -veröffentlichung im Netz. Auch Internet-Sicherheit und Web-Design sind Themen, die gelehrt und gelernt werden.

Im Mittelpunkt der ersten Präsenzphase stehen die journalistische Praxis und das Handwerkszeug für Journalismus im Internet. Werner Eggert erklärt gegenüber dem BENET: „Zum einen wollen wir damit den Charakter der Intajour als Online-Akademie unterstreichen, der ja zwischen den Präsenzphasen in intensiven E-Learning-Phasen erst richtig zur Geltung kommen wird.“ Zum anderen, so der Intajour-Leiter weiter, sei die Academy aus der Überzeugung heraus gegründet worden, dass gerade die neuen digitalen Recherche- und Publikationswege dem Journalismus ganz neue Möglichkeiten eröffnen würden, die es gut geschult zu erschließen gelte. Weil mit diesen neuen Wegen alte Grundsätze, handwerkliche Regeln und Haltungen im Journalismus aber keineswegs über Bord geworfen würden, widme sich die Intajour in ihrem zweiten Programmschwerpunkt gezielt Fragen der Medienethik, der Pressefreiheit und der Verantwortung von Journalisten.

Neben Dozenten mit ausgewiesener Expertise stehen den Fellows während ihrer Zeit in Hamburg auch Top-Journalisten und Manager aus dem Hause Bertelsmann zu Gesprächen und zum Gedankenaustausch zur Verfügung. Unter ihnen Hans-Hermann Klare, Oliver Schröm und Katja Gloger vom „Stern“, Jürgen Schäfer, Ruth Eichhorn und Martin Meister aus der „Geo“-Redaktion, RTL-Chefreporterin Antonia Rados, Rick Nieman von RTL Nederland, Stefan Postler, Chef der Medienfabrik Gütersloh, Bertelsmann-Kommunikationschef Thorsten Strauß und Helen Müller, Leiterin des Bertelsmann Unternehmensarchivs. Beim Abschieds-Diner besucht Torsten-Jörn Klein, President Gruner + Jahr International, die Fellows.

Torsten-Jörn Klein gehört wie Klaus Eck (Random House), Oliver Herrgesell und Hans Mahr (beide RTL Group), Stefan Postler (Arvato) und Thorsten Strauß (Bertelsmann AG) dem Kuratorium der Intajour an. Dieses zweite wichtige beratende Gremium der Academy hat unter anderem die Aufgabe, mit der Geschäftsführung die grundsätzliche Ausrichtung und Finanzierung der Intajour zu besprechen. Zudem dient es mit den Vertretern aus allen Unternehmensbereichen der Verankerung der noch jungen International Academy of Journalism im Hause Bertelsmann. Dazu Werner Eggert: „Die Zusammenarbeit mit Kuratorium und Beirat ist eine wirkliche Bereicherung für die Intajour. Wir profitieren von der Einbindung in den Bertelsmann-Konzern genauso wie von der journalistischen Expertise der Gremien und freuen uns, dass sie der Intajour so positiv und konstruktiv zur Seite stehen.“

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