Inspiration für beide Seiten: Der dritte Reinhard-Mohn-Fellowship-Jahrgang macht sich auf den Weg nach Gütersloh

Sie haben schon in jungen Jahren Großartiges geleistet. Sie haben Organisationen und Initiativen gegründet, die vor allem eines im Sinn haben: anderen Menschen zu helfen. Sie leisten auf ihre kreative, engagierte und zielstrebige Art einen Beitrag für die Gesellschaft – ihre eigene oder sogar die eines anderen Landes. Jetzt bekommen Dannis Fafard aus Kanada, Marvin Fernandes aus Indien, Kevin Edward Long und Jasmine Taylor aus den USA sowie mit Christian Rickerts auch zum ersten Mal ein junger Mann aus Deutschland bei der Erfüllung dieser Aufgabe eine ganz besondere Unterstützung durch Bertelsmann: Sie werden als dritter Jahrgang des Reinhard-Mohn-Fellowship-Programms ab Mai 2006 ein Jahr lang unternehmerisches Know-how in verschiedenen Bereichen des Medienhauses sammeln können, um dieses später für ihr Projekt und damit für die Gesellschaft einzusetzen. Am Ende eines fünftägigen Auswahlverfahrens im Berliner Hotel Grand Hyatt gab die hochkarätig besetzte, dreiköpfige Jury ihre Entscheidung am Donnerstagnachmittag bekannt. 

Eben noch hatte sich der Großteil der zwölf aus intensiven Vorgesprächen, Präsentationen und Beurteilungsrunden übrig gebliebenen Finalisten im Konferenzraum des Hyatt mit Wortspielen gegenseitig die Nervosität vor der Entscheidung nehmen, sich gegenseitig aufmuntern wollen. Andere hatten sich in Sessel gesetzt und sich in Bücher vertieft, die die Regale der Bibliothek ringsum füllten – doch kaum eine Seite weitergeblättert. Da traten auch schon der Jury-Vorsitzende und „National Geographic Deutschland"-Chefredakteur Klaus Liedtke, Professorin Johanna Mair (IESE Business School) sowie Professor Ernst Buschor (Vice President ETH, Swiss Federate Institute of Technology) aus dem Sitzungszimmer nebenan heraus. Begleitet von Bertelsmann-Konzernpersonalchef Detlef Hunsdiek und der Programmleiterin Anette Bickmeyer, die der Jury beratend zur Seite gestanden hatten, postierten sie sich hinter dem Rednerpult. Ohne Umschweife kam Liedtke zur Sache: „Ich bin absolut beeindruckt von der Qualität aller Kandidaten und ihrer Projekte", erklärte er und wandte sich an die zwölf gespannten Fellow-Kandidaten. „Ich bin besonders beeindruckt davon, mit welchem Enthusiasmus und persönlichem Einsatz Sie Gutes für die Gesellschaft tun. Jetzt bekommen fünf von Ihnen die einmalige Gelegenheit, bei Bertelsmann Erfahrungen zu sammeln, die sie später für sich und ihre Initiative einsetzen können." 

Am Vorabend waren die zwölf Kandidaten von der Bundestagspräsidentin a. D. und letztjährigen Reinhard-Mohn-Fellowship-Jurorin Rita Süßmuth in die „Parlamentarische Gesellschaft" eingeladen worden, einen Club, der Mitgliedern des Bundestages und ihren Gästen vorbehalten ist. Die frühere zweite Frau im Staat nutzte ihr lebenslanges Besuchsrecht, um einen Tisch für diese besondere Gesellschaft zu reservieren, zu der auch Liz Mohn und Gunter Thielen gehörten. „Unser Verständnis von Corporate Social Responsibility spiegelt sich unter anderem im Reinhard-Mohn-Fellowship-Programm wider", erklärte Thielen in einer kurzen Ansprache in der „Parlamentarischen Gesellschaft". Reinhard Mohn habe seine Idee von unternehmerischer Führung durch Partnerschaft in der einzigartigen Bertelsmann-Unternehmenskultur festgehalten. „Wir glauben, dass diese Unternehmenskultur und der ihr zugrunde liegende Unternehmergeist wichtige Säulen für unseren Erfolg sind", so Thielen. Die erworbenen Erfahrungen zu teilen mit Menschen, die die Welt positiv verändern wollen, sei ein wesentliches Ziel des Reinhard-Mohn-Fellowship-Programms, das dem Nachkriegsgründer zu seinem 80. Geburtstag von der Bertelsmann AG geschenkt worden war. „Unsere Hoffnung ist, dass Sie inspiriert werden von dem, was Sie bei Bertelsmann lernen", schloss Thielen.

Bereits am Sonntag, den 27. November, hatten sich 26 Fellow-Kandidaten aus aller Welt in Berlin eingefunden, um sich in den drei folgenden Vorauswahltagen mit zwölf erfahrenen Führungskräften aus den Bertelsmann-Bereichen auseinanderzusetzen, in Präsentationen und Gruppendiskussionen ihr Projekt und sich selbst vorzustellen. „Rund 150 Bewerber hatten sich bis Anfang August bei uns gemeldet", berichtet Projektleiterin Anette Bickmeyer. „Sie alle wurden von unserem Team einem intensiven Screening unterzogen, in dem sich 70 Kandidaten profilierten, die dann im September zu einem telefonischen Interview gebeten wurden." Übrig geblieben seien schließlich 27 Bewerber, die eine Einladung zur mehrtägigen Auswahltagung nach Berlin bekamen. Zwölf von ihnen wurden schließlich ausgewählt, um am 1. Dezember – dem Tag der Entscheidung – noch einmal vorzutragen, diesmal der Jury um Klaus Liedtke. Bewertet wurden dabei unter anderem der aktuelle und zukünftige Beitrag des jeweiligen Projekts für die Gesellschaft sowie der Nutzen, den der potenzielle Teilnehmer aus dem Reinhard-Mohn-Fellowship-Programm ziehen könnte. 

Dannis Fafard beispielsweise hat im afrikanischen Botswana den „Godisa Technologies Trust" gegründet, der bislang mehr als 10.000 bedürftigen Menschen mit Hörbehinderungen ein kostengünstiges Hörgerät zur Verfügung stellen konnte. In die moderne Welt des Fernsehens hat Marvin Fernandes alte indische Sagen geholt, die nun unter anderem als Cartoon wieder die jüngsten Zuschauer erreichen und so als Kulturgut erhalten bleiben. Ein von Kevin Edward Long gegründete Projekt kümmert sich darum, dass taube Schüler in Entwicklungsländern die Taubstummensprache erlernen und eine Perspektive für ihre Zukunft bekommen. Christian Rickerts setzt sich mit der Stiftung „Schüler helfen Leben" für Kinder und Jugendliche Südosteuropas ein, die durch die Entlohnung für einen freiwilligen sozialen Tag deutscher Kinder und Jugendlicher unterstützt werden. Die amerikanische „Community Harvest Foundation", mitgegründet von Jasmine Taylor, will speziell Kinder aus sozial schwächeren Stadtvierteln fördern und auf diese Weise erreichen, dass nicht ihre Herkunft über ihre Zukunft entscheidet. Daneben war es aber auch die Persönlichkeit der Kandidaten, die die Jury mit Führungsfähigkeit und Managerqualitäten, mit Teamorientierung und Unternehmergeist überzeugen mussten.

„Die Bandbreite der Bewerber und der von ihnen ins Leben gerufenen Projekte ist nach wie vor faszinierend", erklärte Jury-Vorsitzender Klaus Liedtke im Gespräch mit dem Be-Net. Inzwischen umfasse die Zielgruppe der gemeinnützigen Initiativen ganze gesellschaftliche Schichten, oftmals sogar auf nationaler und nicht mehr nur regionaler Ebene. Dies habe sicherlich damit zu tun, dass das Reinhard-Mohn-Fellowship-Programm international bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad in relevanten Kreisen gewonnen habe. „Dennoch ist es noch nicht publik genug, es verdient noch größere Bekanntheit, damit sich noch mehr Menschen auf der Welt für ihre Mitmenschen engagieren."

„Das Reinhard Mohn Fellowship ist einmalig", bekräftigte Professorin Johanna Mair. An ihrer Bildungseinrichtung würden viele Unternehmen untersucht, die mit „social entrepreneurs" zusammenarbeiteten. Doch Bertelsmann sei das einzige Unternehmen, das diese Personen für eine Weile in seine eigene Welt aufnehme. „Ich halte dies für eine sehr positive Zusammenarbeit, weil sowohl Entrepreneur als auch das Medienhaus davon profitieren – sie inspirieren sich gegenseitig", so Johanna Maier. Voraussetzung für diese Win-win-Situation sei eine besondere Art der Unternehmenskultur, wie sie sich bei Bertelsmann finde.

Christian Rickerts zeigte sich nach eigenen Worten „doch etwas überrascht", von „26 so spannenden Leuten schließlich unter den ersten fünf gelandet zu sein. „Ich wäre nicht enttäuscht gewesen, wenn es nicht geklappt hätte", so Rickerts. Er erhoffe sich viel davon, bald in ein großes Unternehmen hineinzuschauen, Erfahrungen für seine Organisation mitzunehmen und „einfach mit einer anderen Perspektive an die Arbeit heranzugehen". „Ich freue mich auf den Moment, an dem ich in Gütersloh sitze und zusammen mit Anette Bickmeyer und ihrem Team mein Fellowship in konkrete Pläne umsetze." Besonderes Interesse habe er daran, das Corporate Center und die Bereichszentralen kennen zu lernen – und am liebsten ein junges Bertelsmann-Unternehmen im Aufbau zu erleben.

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