Von Räubern, Katern und kleinen Bären: Bertelsmann-Mitarbeiter lasen für Gütersloher und Münchner Kinder
„Sie kommen, sie kommen!" Mit lauten Begeisterungsrufen wurden Christiane Niehoff (ZA), Christiane Munsberg (NÖ), Marc Puskaric (ZJ) und Michael Hundehege (ZBC) am Freitagmorgen im Kindergarten an der Englischen Straße in Gütersloh empfangen. „Wisst ihr denn auch, warum wir hier sind?", fragte Christiane Niehoff die Kinder. „Na klar", kam die prompte Antwort. „Ihr wollt uns doch was vorlesen!"
Insgesamt 26 Mitarbeiter aus dem Corporate Center waren am Freitag in zwölf Gütersloher Kindergärten unterwegs. Sie folgten damit einem Appell von Gunter Thielen, sich während der Arbeitszeit an der Vorleseaktion „Große für Kleine" zu beteiligen. Der Vorlesetag war eine bundesweite Aktion der Wochenzeitung „Die Zeit" und der Stiftung Lesen. Dabei waren Freiwillige in ganz Deutschland aufgerufen, in Kindergärten und Schulen vorzulesen, um so den Kindern Bücher und das Lesen näher zu bringen. In München kamen sogar 20 Schülerinnen und Schüler in das Verlagsgebäude von Random House, um sich dort von drei Mitarbeitern, darunter Geschäftsführer Joerg Pfuhl, vorlesen zu lassen und die Entstehung eines Buches vor Ort mitzuerleben.
"Ich lese einfach gerne vor und habe auch früher immer meinem Sohn viel vorgelesen", begründete Christiane Niehoff, warum sie dem Aufruf des Vorstandsvorsitzenden sofort gefolgt war. Sie hatte den Kindern des Gütersloher Kindergartens Englische Straße zwei Geschichten aus dem Lindgren-Klassiker „Die Kinder aus der Krachmacherstraße" mitgebracht. Die dreizehn drei- bis vierjährigen Kinder der Regenbogen-Gruppe waren sofort mit Begeisterung dabei, denn Astrid Lindgren war für sie keine Unbekannte. „Ich kenne auch andere Bücher von der. Und ich war sogar schon im Pippi-Langstrumpf-Land", berichtete etwa die dreijährige Birte. In dem gemütlich mit Kerzen beleuchteten Gruppenraum lauschten die Kinder den Abenteuern von Lotta, Jonas und Mia-Maria, wollten aber alles aus der Geschichte dann doch nicht glauben. Dass man sich zum Beispiel wie Lotta nur auf den Dunghaufen stellen muss, um zu wachsen, konnten sie sich nicht so recht vorstellen.
Christiane Munsberg hatte sich für die Räuber Hotzenplotz-Geschichte aus dem Club-Buch „Von Yogakatzen und Bücherfressern" entschieden und sich auf die Vorlesestunde gründlich vorbereitet. Eine Schatztruhe mit Gummibärchen und selbst gebastelte Räuber-Hüte dienten ihr als Utensilien und kamen bei den Kindern riesig an. „Reinhard Mohn plädiert für die soziale Verantwortung jedes einzelnen. Da ist es doch für mich als Mitarbeiterin selbstverständlich, durch diesen Vorlesetag meinen eigenen kleinen Beitrag zu leisten", erklärte sie ihr Engagement.
Auch ihr Kollege Marc Puskaric hatte sich für die Kindergarten-Kinder eine kleine Überraschung ausgedacht. Neben seinem eigentlichen Vorlesebuch „Eine Geburtstagstorte für die Katze" hatte der Syndikus seinen kleinen Zuhörern auch ein dickes Gesetzbuch mitgebracht. „Aus welchem wollt ihr lieber eine Geschichte hören?", lautete die Frage. Und natürlich fiel die Entscheidung zu Gunsten des schrulligen Pettersson und seines lustigen Katers Findus.
„Ich habe die Kinder gefragt, wer von ihnen von Eltern oder Großeltern abends eine Geschichte vorgelesen bekommt und war doch erstaunt, wie wenige sich gemeldet haben", berichtete Michael Hundehege nach seiner Vorlesestunde und reflektierte damit ein Phänomen, das der Stiftung Lesen schon lange bekannt ist. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lesen zwei von drei Elternpaaren ihren Kindern nicht mehr regelmäßig vor. Ein Grund mehr für die Stiftung, die Vorlesekultur in Deutschland durch Aktionen wie „Große für Kleine" zu stärken. „Ich finde das Vorlesen ist einer der schönsten Momente in einer Eltern-Kind-Beziehung. Nur so können Kinder Bücher lieben lernen und ihre Phantasie schulen", brachte es Christiane Niehoff auf den Punkt.
Die Vorlesekultur stand auch am Nachmittag in der Villa Kunterbunt im Vordergrund, wo Gerda Kaufmann (Z-LM), Susanne Erdl (ZÖ) und Stephan Scheller (ZFT) vorlasen. „Neben den vielen anderen Medien ist das Buch für mich noch immer ein Anker für Kultur und Bildung", erklärte Stefan Scheller, der es sich in der Leseecke mit einem Janosch-Buch bequem machte. Seine Kollegin Gerda Kaufmann war richtig aufgeregt, als sie sich in den Kreis der gespannt wartenden Kinder setzte: „Meine Kinder sind erwachsen und ich habe bestimmt seit 15 Jahren niemandem mehr vorgelesen", erzählte sie. Auf ihrem Vorleseprogramm standen lustige Kobolde aus dem Buch „Elfenland und Zauberreich".
Am Ende der einzelnen Vorlesestunden bekamen die insgesamt über 750 Kinder in den zwölf Kindergärten noch ein Buch mit nach Hause – und zwar genau jenes, das sie in der Vorlesestunde bereits kennen gelernt hatten. Die 250 Exemplare von „Von Yogakatzen und Bücherfressern" kamen dabei direkt vom Club, der die Bücher für die Aktion kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Die Kinder aus dem Kindergarten Englische Straße schickten ihre Vorleser dann mit einem echten Kompliment nach Hause. Auf die Frage, was ihnen denn besonders gut gefallen habe, lautete die einstimmige Antwort: „Gar nix! Es war nämlich alles toll!" Zumindest bei den Kindern aus den Gütersloher Kindergärten ist die Botschaft der Aktion „Große für Kleine" also angekommen: Eine Geschichte vorgelesen zu bekommen macht einfach Spaß.



