Bertelsmann verabschiedet zweiten Jahrgang der Reinhard Mohn Fellows – und erhält zum Dank eine innovative Projektidee

Sie haben aus aller Herren Länder den Weg zu Bertelsmann gesucht und nach einem intensiven Auswahlverfahren auch gefunden. Sie brauchten nur wenige Wochen, um zu gern gesehenen und allseits akzeptierten Gesprächspartnern zu werden – und jetzt, ein Jahr später, verlassen sie Bertelsmann „schon“ wieder: die Reinhard Mohn Fellows. Gestern haben Bertelsmann-Vorstand Ewald Walgenbach und Konzernpersonalchef Detlef Hunsdiek den zweiten Jahrgang der Fellows verabschiedet. Zwölf Monate lang haben Tina Choi, Mariana Feged, Darren Godwell, Jonathan Govias und Cristina Martinez jede Gelegenheit genutzt, um Bertelsmann in all seinen Facetten kennen zu lernen und mit dem gesammelten Erfahrungsschatz nun in ihre Heimatländer USA, Kolumbien, Australien, Kanada und Mexiko zurückzukehren. Doch vor der Rückreise gaben die fünf Fellows Bertelsmann zum Dank etwas zurück: die Ergebnisse ihres gemeinsamen Projektes. Das drehte sich um die Frage, mit welcher internationalen Strategie sich die Clubs der Direct Group erfolgversprechend an die Zielgruppe Kinder und Eltern wenden können.

 „Es war auf der Frankfurter Buchmesse 2004, als die Fellows diesen Auftrag bekamen“, erinnerte Anette Bickmeyer, verantwortlich für das RMF, am Dienstag Abend, „seitdem haben sie über die Grenzen von Ländern und Kontinenten hinweg intensiv an einer Lösung gearbeitet – zumeist als virtuelles Team via Telefon und Internet.“ Große Unterstützung erfuhren sie dabei von Sven Huber, Director Marketing und Business Development beim spanischen Círculo des Lectores, und von Ewald Walgenbach. Der Chef der Direct Group hatte ihnen schon auf der Buchmesse die Kernfragen mit auf den Weg gegeben, die die Fellows zu beantworten hatten. Und jetzt war er es, der die Präsentation des Teams aufmerksam und kritisch verfolgte und der am Ende erklärte: „Das ist ein großartiges Projekt. Wir werden es in der Direct Group sehr wohlwollend prüfen.“

Herzstück des Fellow-Projektes ist ein eigenständiges Magazin, das der Zielgruppe Kinder beziehungsweise deren Eltern eine Auswahl von Literatur nahe legt – die es natürlich im Club zu kaufen gibt. Während das Magazin-Abo für Clubmitglieder gratis ist und einen zusätzlichen Service darstellt, kostet es für Nichtmitglieder Geld. Doch sie erhalten dafür zugleich die Möglichkeit, im Club einzukaufen – mit den Rechten der Mitglieder, aber ohne Kaufverpflichtung. Das Magazinprojekt verspricht nach Einschätzung der Fellows gleich drei Einnahmequellen: die Anzeigen in der Zeitschrift, die Abonnements und die Ankurbelung des Verkaufs von Clubmedien. Bei der Herstellung des Magazins sollten durch enge Zusammenarbeit mit Gruner + Jahr außerdem Synergieeffekte erzielt werden, empfehlen die Reinhard Mohn Fellows. Darüber hinaus sehen sie einen wichtigen Imageeffekt in einer möglichen sozialen Komponente der Geschäftsidee – wenn nämlich beispielsweise die Clubmitglieder Bücher nicht nur für sich einkaufen könnten, sondern indirekt auch für Kinder etwa in Ländern der sogenannten Dritten Welt.

Dass Kinder und ihre Eltern nach einer Einkaufsberatung suchen und dass sie heute wie auch als Clubmitglieder von morgen eine überaus interessante Zielgruppe bilden, darin waren sich die Fellows mit Ewald Walgenbach und Detlef Hunsdiek einig. Auch viele Ansätze und Ideen der Fellows überzeugten den Vorstandsvorsitzenden der Direct Group und den Konzernpersonalchef, die mit ihren gezielten Nachfragen und Anmerkungen schnell eine intensive Diskussion anstießen. An deren Ende versicherte Ewald Walgenbach, er werde sich dafür stark machen, dass in Zukunft die Clubs in Spanien und Großbritannien – die auch die Fellows exemplarisch herausgegriffen hatten – die Idee weiter verfolgen.

Und was erwartet die Fellows selbst in Zukunft? Von nun an wird sich die 1972 geborene Tina Choi wieder um die von ihr gegründete Organisation  „Global Nomad Youth“ kümmern. Sie setzt sich zum Ziel, talentierte Schüler und Studenten darin zu fördern, ihre IT- und Business-Kenntnisse einzusetzen, um Netzwerke zu gründen, die ihnen weit über die Schule hinaus nützlich sein können. Mariana Féged (1978) hat vor zwei Jahren „Kaziyadu“ mit ins Leben gerufen. „Kaziyadu“ organisiert in Europa und in den USA Unterstützung für gemeinnützige Projekte in Lateinamerika. Darren Godwell (1970) ist Gründer von „Lumbu“, einer von Aborigenes geführten Stiftung, in der sich die Ureinwohner Australiens mit Hilfe der Privatwirtschaft und philanthropischer Vereinigungen für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen einsetzen. Jonathan Govias (1976) hat zusammen mit kanadischen Musikstudenten in Kalkutta Beschäftigungsmöglichkeiten für benachteiligte Jugendliche geschaffen. Cristina Martínez (1976) schließlich hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Weiterbildungsangeboten die Lebens- und Arbeitsbedingungen mexikanischer Kaffeebauern zu verbessern. 

Während die Fellows des zweiten Jahrgangs nun also in ihre Heimatländer zurückkehren und dort anspruchsvolle Aufgaben übernehmen, stehen Anette Bickmeyer und ihr Team vor der nicht minder anspruchsvollen Aufgabe, die Kandidaten für den dritten Durchgang des Reinhard Mohn Fellowship auszuwählen. Bis zum 1. August konnten sich Interessenten aus aller Welt für das Programm bewerben, das ursprünglich ein Geschenk der Bertelsmann AG an Reinhard Mohn zu dessen 80. Geburtstag war. Gefragt sind einmal mehr „Social Entrepreneurs“ aus allen Teilen der Gesellschaft, die in ihrem bisherigen Leben bereits unternehmerische Tatkraft gepaart mit Kreativität und Gemeinsinn bewiesen haben. Bis zu fünf Kandidaten werden schließlich Ende November nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren in das Fellowship Programm aufgenommen. In einem einjährigen, praxisnahen Trainingsprogramm in verschiedenen Ländern und Firmen werden auch sie Gelegenheit erhalten, durch intensive Projektarbeit und Schulungen in einer globalen Mediengruppe unternehmerische Kompetenz und Führungstalent fortzuentwickeln und weltweit Kontakte zu knüpfen.

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