Ob Elbe, Themse, Loire oder Po: Am Sonntag setzt Europa an zum „Big Jump“ in die Flüsse
An heißen Sommertagen kann es schwierig werden, in Freibädern und Badeseen einen Fuß ins kühlende Nass zu bekommen. Am kommenden Sonntag bietet sich mancherorts nun eine interessante Alternative: Die Elbe, in der schon vor hundert Jahren Kinder ihre ersten Schwimmversuche unternahmen und in der heute wieder relativ sauberes Wasser fließt, verwandelt sich um Punkt 14 Uhr in die eine riesige Badeanstalt.
Wenn zu dieser Zeit in Hamburg Fußball-Idol Uwe Seeler den Startschuss gibt, dürfen sich Bürger am Strandkai in die Fluten stürzen – der Schiffverkehr wird dazu eigens angehalten. Die Großstädter sind dabei übrigens in guter Gesellschaft. Mit ihnen geht an gut 50 weiteren Orten entlang des Stromes ein ganzes Kollektiv baden – angefangen von Otterndorf an der Mündung des Stromes in die Nordsee über Wittenberge, Dessau, Dresden bis zur Elbquelle in Spindleruv Mlyn im Nachbarland Tschechien. Doch nicht nur die Elblandschaft wird am Sonntag als potenzielles Baderevier entdeckt. Erstmalig wird der Elbebadetag, der im Rahmen des vor acht Jahren gegründeten Projektes „Lebendige Elbe“ von Gruner + Jahr und der Deutschen Umwelthilfe initiiert und vorbereitet wurde, auch europaweit begangen – als „Big Jump“. Danach sind zeitgleich mehr als 200 Badefeste an 30 Flüssen in zwölf europäischen Staaten geplant. An der französischen Loire wollen ebenso wie an der britischen Themse, am italienischen Po oder am süddeutschen Neckar die Menschen in ihre Flüsse springen und somit den ersten Europäischen Flussbadetag zelebrieren.
Angelika Jahr, Gruner + Jahr-Vorstandsmitglied und Schirmherrin des Projektes „Lebendige Elbe“, zeigte sich am vergangenen Dienstag auf einer Pressekonferenz in Hamburg erfreut darüber, dass die Elbe, einst der schmutzigste Fluss Europas, nun Vorbild für ein großes europäisches Ereignis werde. Die augenscheinlichen Erfolge bei der Steigerung der Wasserqualität des Flusses, der lange Ost- und Westdeutschland trennte, könnten zu Recht mit einem großen Spiel-, Sport- und Kulturprogramm gefeiert werden.
„Egal, wo sie gerade Urlaub machen – Sie können dem ‚Big Jump’ am Sonntag kaum entgehen“, erklärte Roberto Epple, Projektleiter „Lebendige Elbe“ und Initiator von „Big Jump“. Die europaweite Aktion schaffe eine einmalige Solidarität für den großen Sprung in Sachen Wasserqualität. „Das, was an der Elbe erreicht worden ist, soll nun Ansporn für Europa sein“, so Epple, der das Badeereignis insbesondere als einen „öffentlichen Motor“ für die Verwirklichung der Europäischen Wasserrichtlinie begreift. Bis 2015 sollen demnach in ganz Europa die Flüsse wieder eine gute Wasserqualität aufweisen. „Erst wenn es nicht nur Lachse, sondern auch wieder Kinderlachen an den Ufern gibt, können wir wieder von wirklich lebendigen Flüssen reden“, stellt Roberto Epple klar. Noch erfordere es viel Anstrengung und eine breite Bürgerbeteiligung, um die europäischen Flüsse in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu bringen. Vor allem in Frankreich, Holland und Belgien müsse die Genesung der Flüsse vorangetrieben werden. An Rhein, Ruhr, Sieg und Ahr und sogar an der Isar mitten in München könne man dagegen schon jetzt wieder bedenkenlos die Zehen ins Wasser stecken. Auch hier wird dieser Fortschritt in Sachen Wasserqualität im Rahmen von kreativen Badeaktionen am Sonntag gefeiert.
Das bunte Programm für die rund 100.000 erwarteten Besucher entlang der Elbe unterscheidet sich von Badeort zu Badeort. Otterndorf lockt zum Beispiel mit einer Bademodenschau von „Annodazumal“, in Lenzen können Kinder „Klecker-Burgen“ bauen, in Decin wird die „Miss Elbe“ gewählt, und in Dresden sind in einer Ausstellung historische Badegefäße und alte Badeanstalten zu bewundern. An vielen Uferstellen wird die Elbe zum Austragungsort sportlicher Wettbewerbe. Ob per Schlauchboot, Drachenschiff, Kanu oder gar Badewanne – der Kreativität sind keinerlei Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, das fließende Gewässer im Schnelltempo zu überqueren. Entspannung wird im Anschluss bei zahlreichen Beachpartys mit kubanischen Rhythmen, Wassertrommlern und Bauchtänzerinnen geboten.
Rund 500 Liter reinstes Quellwasser sind bereits in Karaffen den Organisationsteams der örtlichen Badefeste überbracht worden, das nicht nur als „Munition“ für Spritzwasserpistolen, sondern auch bei der Siegerehrung der Bootswettkämpfe und bei der Taufe von Neugeborenen in Gottesdiensten am Ufer zum Einsatz kommen soll. „Auf diese Weise wird das Heimatgefühl, das wir wieder zunehmend mit unserer Flusslandschaft verbinden, besonders schön zum Ausdruck gebracht“, erklärt Harald Kächele, Bundesvorsitzender der Deutschen Umwelthilfe. Vor allem Kinder sollen am Elbebadetag den Fluss besser kennen lernen. Durch Spiel und Spaß soll ihnen nicht nur der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur, sondern auch die Gefahrenzonen der fließenden Gewässer näher gebracht werden.
Die Idee eines Flussbadetages ist indes sogar bis in den Mittleren Osten übergesprungen. Israelische, palästinensische und jordanische Bürgermeister haben bereits am letzten Sonntag einen Sprung in den Jordan gewagt, um ein Zeichen für eine friedvolle Zusammenarbeit zur Rettung des Flusses zu setzen.
