Seite für Seite „FSC“: Verlagsgruppe Random House setzt auf ökologisch gewonnenes Papier

Vor fünf Jahren noch spielte es kaum eine Rolle, war weitestgehend unbekannt: ökologisch produziertes FSC-Papier. Heute steigt die Nachfrage nach dem Siegel des Forest Stewardship Council ständig, wächst der Bedarf an FSC-Papier Jahr für Jahr um ein Vielfaches – auch in der Verlagsgruppe Random House. Dort will BTB als erster Taschenbuchverlag ab diesem Monat seine komplette Buchproduktion mit dem FSC-Logo kennzeichnen. Die anderen Verlage der Münchener Gruppe, die damit ihr Verantwortungsbewusstsein gegenüber Umwelt und Ressourcen unterstreicht, sollen Zug um Zug folgen. Die Sammlung Luchterhand wird ab Juli das FSC-Siegel tragen, die Taschenbücher der Verlage Goldmann, Heyne und Diana sind spätestens im September soweit. Bis Ende 2005 sollen dann voraussichtlich auch alle Hardcover der Verlagsgruppe Random House mit dem FSC-Zertifikat im Impressum markiert sein.

Dieses Gütesiegel ist nach Einschätzung der Umweltorganisation WWF derzeit das einzige Zertifikat, dessen Vergabe eine sozial- und umweltverträgliche Nutzung der Wälder garantiert. Bereits 1993 hatten Umweltorganisationen und Forstwirtschaft sowie weitere Verbände und die Vertreter so genannter indigener Völker nach dreijähriger Vorbereitungsarbeit den Forest Stewardship Council ins Leben gerufen, der fortan unter der Abkürzung FSC als nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation firmierte. Die FSC-Standards haben weltweite Gültigkeit.

Nach der Vergabe des Siegels wird die gesamte Handelskette vom Wald über sämtliche Produktionsstätten bis hin zum Endprodukt Jahr für Jahr aufs Neue auf ihre Sozial- und Umweltverträglichkeit überprüft. Neben der Frage einer nachhaltigen Forstwirtschaft, in der gerodete Wälder durch neue Schonungen ersetzt werden, sollen die Nutzung und Pflege der Wälder sich auch für die Waldbauern jedweder Größe wirtschaftlich lohnen. Eines der Hauptziele des FSC ist es, Holz nur aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern zu gewinnen und zugleich den illegalen Holzeinschlag zu verhindern, der als Grund für die massenhafte Vernichtung riesiger Waldflächen gilt. Dies bezieht sich nicht allein auf die Papiergewinnung, sondern beispielsweise auch auf die Möbelindustrie.

Doch liegt allein der weltweite Papierverbrauch nach Erkenntnissen des WWF bei rund 325 Millionen Tonnen im Jahr. Tendenz steigend. Neben der eher grundsätzlichen Frage nach Möglichkeiten zur Senkung des Papierverbrauchs spielen die Erhöhung des Recycling-Anteils und eben die Vergabe des FSC-Siegels für Frischfaser-Papiere für Umweltschützer eine Schlüsselrolle. Die Verlagsgruppe Random House in München geht nun beide Wege: So wird der Riemann-Verlag, der vielfach Bücher mit gesellschaftskritischen oder ökologischen Themen herausbringt, dieser inhaltlichen Linie auch in der Buchproduktion gerecht und hält daran fest, seine Bücher auch in Zukunft ausschließlich auf Recycling-Papier zu drucken. Alle    anderen Verlage der Gruppe wählen die Alternative FSC-Papier.

Mit dieser Entscheidung und gemäß ihrer grundlegenden Umweltleitlinie unterstützt die Verlagsgruppe Random House „die Anstrengungen von WWF, Greenpeace und anderen Umwelt- und Naturschutzorganisationen zum Schutz von Alt- und Urwäldern“. Weiter heißt es in der Leitlinie vom Januar dieses Jahres, man lehne den Holzeinschlag in solchen Wäldern grundsätzlich ab und kaufe entsprechend der Empfehlungen von Greenpeace Papier nur aus Ländern, die eine „kreislauforientierte und nachhaltige Forstwirtschaft“ garantierten.

Ein wichtiger Baustein in den Umweltbemühungen der Verlagsgruppe ist das Umweltengagement der Druckpartner – und hier sind die beiden wichtigsten Lieferanten der Gruppe, die Arvato-Töchter Mohn Media in Gütersloh und GGP Media in Pößneck geradezu Vorbilder. Beide machen derzeit eine immer stärkere Nachfrage nach dem FSC-Papier aus, das noch vor nicht allzu langer Zeit kaum zu bekommen gewesen sei – mangels Bedarf auf der Kundenseite.

Und so ist Mohn Media als eines der wenigen Druckunternehmen überhaupt bereits seit Jahren FSC-zertifiziert und gilt hier als Vorreiter. Im Januar 2005 hat auch das Schwesterunternehmen GGP Media in Pößneck wie berichtet als zweite Arvato-Tochter das begehrte FSC-Siegel erhalten. Bereits damals hatte Wolfgang Michael Hanke, Gesamtherstellungsleiter der Verlagsgruppe Random House, diesen Schritt ausdrücklich als „Lückenschluss in der FSC-Produktionskette“ begrüßt. Und vor wenigen Tagen, anlässlich der Bekanntgabe der konsequenten FSC-Politik seines Unternehmens, unterstrich Hanke: „Mit unseren Lieferanten stehen wir in einem ständigen Dialog über die Optimierung der Papierherstellung.“ Die Auszeichnung aller Bücher mit dem FSC-Siegel ist sichtbares Zeichen für den Erfolg dieser gemeinsamen Bemühungen.

Bemühungen, die sich auch international immer stärker durchsetzen. Im Herbst des vergangenen Jahres beispielsweise hatte Random House Mondadori im Kulturzentrum des Círculo de Lectores in Madrid gemeinsam mit Greenpeace das neue Buch der chilenischen Bestsellerautorin Isabel Allende vorgestellt – gedruckt auf FSC-Papier. Es war das erste Buch auf dem neuen Papier, das im Rahmen des spanischen Greenpeace-Projektes „Libros Amigos de los Bosques“ erschien.

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